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Braunschweiger Zeitung: “Rechtsextremisten feierten im Heim eines Kleingartenvereins”

Die Braunschweiger Zeitung berichtet in ihrer heutigen Ausgabe über die Veranstaltung der “Burschenschaft Thormania” im Vereinsheim eines Kleingartenvereins:

Polizei und Landesverband entsetzt-Vermieter beteuern: Wir haben nichts gewusst. Von Marc Rotermund

Entsetzen im Lange Hecke: In seinem Vereinsheim am Mittelweg hat die nach Einschätzung der Polizei rechtsextremistische Kameradschaft Ende August einen so genannten Zeitzeugenabend gefeiert.

Nach Angaben von Polizeisprecher Joachim Grande steht die etwa zehnköpfige Gruppierung unter Beobachtung des Staatsschutzes und tritt bundesweit immer wieder bei rechtsgerichteten Demonstrationen auf. Am 4.  Juni sei sie auch in Braunschweig dabei gewesen. Grande sagt:

‘So etwas muss man nicht unterstützen. Als Vermieter sollte man darauf achten, wen man sich ins Haus holt.’

Auch das Antifaschistische Plenum ist entsetzt, dass der Kleingartenverein aus der Nordstadt der rechtsgerichteten Gruppierung sein Vereinshaus an jenen Samstagabend gegen Miete überlassen hat. ‘Wir fordern Sie auf, Ihr Vereinsheim künftig nicht mehr für Nazi-Organisationen oder Privatpersonen aus der Nazi-Szene zur Verfügung zu stellen”, heißt es in einem offenen Brief der Antifa. Und: ‘Es scheint uns kaum vorstellbar, dass ihnen der politische Hintergrund dieser Versammlung und der faschistische Charakter der ,Burschenschaft Thormania? bisher verborgen geblieben ist.’

Die Vorsitzende des Kleingartenvereins, Manuela Hahnfeld, beteuert: ‘Wir haben nicht gewusst, an wen wir vermietet haben, und erst durch eine Mail vom Antifaschistischen Plenum davon erfahren. Wir sind alle geschockt.’

Mit tränenerstickter Stimme betont die Vorsitzende: “Wir distanzieren uns in aller Form von den Gedanken dieser Vereinigung.” Das sei auch daran zu erkennen, dass die “Lange Hecke” ein Kleingartenverein mit internationalen Pächtern ist. ‘Wir haben Türken, Italiener, Spanier und Kubaner in unserem Klub und erst letztes Jahr ein internationales Frühstück veranstaltet, um alle Mitglieder zu integrieren’, erzählt Manuela Hahnfeld. Ihr Verein habe jetzt einen Rechtsanwalt eingeschaltet, um zu prüfen, ob gegen die Gruppierung vorgegangen werden könne. Die Vorsitzende verspricht: “Es wird kein nächstes Mal geben.’

Das hofft auch der Landesverband der Gartenfreunde als Generalpächter aller städtischen Grundstücke, auf denen die 102  Braunschweiger Kleingartenvereine stehen. Geschäftsführer Ingo Stübig sagt: ‘Wir sind sehr verärgert und enttäuscht, dass so etwas passiert ist. Derartige Ereignisse können unsere gute Integrationsarbeit zerstören.’

Stübig unterstreicht, es verstoße gegen die pachtrechtlichen Bestimmungen, dass Kleingartenvereine ihre Gartenkantine an Vereinsfremde vermieten. ‘Der Vorstand der ,Langen Hecke’ wusste bestimmt nicht, wen er sich ins Haus holt. Aber es gibt Regeln, und die müssen eingehalten werden. Wäre das geschehen, wäre es nicht dazu gekommen, dass eine solche Vereinigung das Vereinsheim bekommt.’

Zumal das Problem nicht neu sei. Nachdem vor etwa vier Jahren rechtsradikale Gruppierungen in Salzgitter versucht hätten, Vereinsheime von Kleingärtnern für Versammlungen zu mieten, habe es Warnungen und Verhaltenshinweise unter anderem in der Verbandszeitschrift gegeben, erinnert sich Manfred Weiß, der Vorsitzende des Landesverbands der Gartenfreunde.

Polizeisprecher Joachim Grande ist vor allem ein Aspekt wichtig: ‘Die meist versteckt liegenden Gartenkantinen der Kleingartenvereine sind ein beliebter Ort für Rechtsradikale, sich konspirativ zu treffen. Wer Zweifel hat, an wen er vermietet, sollte sich immer an uns wenden.’

In diesem Vereinsheim eines Kleingartenvereins fand der so genannte Zeitzeugenabend einer rechtsextremistischen Kameradschaft statt.

 

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