Patrick Kallweit: „Seriöse Radikalität“ mit antisemitischen Anklängen

Antisemitische Anklänge: Eintrag vom 23.10.2012 von Patrick Kallweit bei Facebook
Antisemitische Anklänge: Eintrag vom 23.10.2012 von bei Facebook

Der Vienenburger Ratsherr Patrick Kallweit setzt seine Parteikarriere fort: Am 27. Oktober wurde er im thüringischen Kirchheim in den Bundesvorstand der Jungen Nationaldemokraten gewählt (Bericht bei Endstation Rechts: „Andy Knape übernimmt JN-Bundesvorsitz“ / Fotos bei recherche-nord).

Heute berichtete die taz über der Überschrift „Auf wenn die in Niedersachsen so ihre Hoffnungen setzt – ‚Aktivposten‘ im Harz“ über Kallweit: Kallweit, der stolz angibt, mit 17 in die eingetreten zu sein, schwingt bei Aufmärschen keine donnernden Reden. Auch im Rat der Stadt und im Goslarer Kreistag zeigt er sich gern als Kümmerer: In Anträgen und Anfragen kritisiert er an einer geplanten Gebietsreform, dass sie für die Bürger ‚teure Wege‘ in eine ’noch anonymere Dienstleistungsabwicklung‘ bringe. Aber er will auch wissen, wie viel Geld Anti-rechts-Projekte bekommen, oder schimpft über eine ‚armenische Gaunersippe‘. Laut dem Rechtsextremismus-Experten Koch bemüht sich Kallweit, in der Harz-Region ‚in der Mitte‘ anzukommen. Sein Vorgehen erfolge getreu der ’seriösen Radikalität‘, die der NPD-Bundesvorsitzende Holger Apfel ausgerufen hat. Über einen Referentenposten bei dessen Landtagsfraktion in Sachsen ist Kallweit auch beruflich abgesichert. Wenn dann noch Zeit bleibt, steht der Kandidat nach eigenen Angaben ‚in der Südkurve und feuere unsere Braunschweiger Eintracht an‘.

Antisemitische Anklänge

Zu Kallweits „seriöser Radikalität“ gehören offensichtlich auch antisemitische Anklänge. Über sein Politikerseite bei Facebook schrieb er am 23. Oktober 2012: „Damit auch keine Missverständnisse aufkommen und jeder weiß, wem bei der Stadt das Wort geredet wird, prangt direkt am Eingang ein Bildnis von Charley Jacob, der auch Namensgeber der Straße ist, in der sich die Stadtverwaltung befindet.“ Und droht an, wenn die NPD durch die Fusion der Stadt Vieneburg mit 2014 im Rat der „Kaiserstadt“ einziehen wird, dann gehe „es rund“ in der „Knesset in der Charley-Jacob-Straße“.

Charley Jacob war ein Goslarer Kaufmann. „Er, seine Frau Emma sowie die Kinder Manfred und Hans-Peter wurden kurz vor Kriegsende am 19. Februar 1945 in das KZ Theresienstadt deportiert. Nach ihrer Befreiung hat sich Charley Jacob zeitlebens für die Aussöhnung zwischen Juden und Christen eingesetzt. Er wird als einfacher, bescheidener Mensch beschrieben, der sich besonders um jüdische Kinder und Jugendliche kümmerte.“  1979 entschied sich der Rat der Stadt Goslar, die von den Nazis in „Kurze Straße“ umbenannte „Judenstrasse“ stellvertretend für die Opfer des Holocaust in Charley-Jacob-Straße umzubenennen (mehr dazu: Goslarer Straßenkatalog).

NPD-Kandidat mit Hakenkreuz

Weniger „seriös“ dafür eher „radikal“ kommt daher, den Kallweit als „Parteifreund“ bezeichnet. Bilder zeigen , der 2011 bei der Gemeinderatswahl in Liebenburg (LK Goslar) für die NPD kandidierte, mit Hakenkreuzarmbinde, im Braunhemd oder vor einer „White Power“-Fahne, auf der ein vermummter eine Waffe in den Hände hält.