Eintracht Braunschweig gegen St. Pauli: „Zecken“, „asoziale Nazis“, „Reichskriegsflagge“ und der NPD-Parteichef im Stadion

Facebookeintrag von vom 28.11.2012

Kaum war das Spiel gegen am Mittwoch vorbei, da verkündete -Parteichef Holger Apfel den Sieg seiner Lieblingsmannschaft per Facebook: „Scheint der Eintracht gut zu tun, wenn ich im Stadion dabei bin. 1:0 gegen die Zecken von Pauli – Tabellenführung verteidigt, was will man mehr“ In kurzer Zeit klickten über 170 seiner Anhänger bei Facebook unter dem Beitrag auf gefällt mir. Darunter auch einige die unschwer als Fans von Eintracht zu identifizieren sind.

Die Fans von St. Pauli als „Zecken“ zu bezeichnen, das ist durchaus keine Seltenheit in Teilen der Fanszene von Eintracht Braunschweig – und das nicht nur unter ausgewiesenen Neonazis. Das Netz gegen Nazis beschreibt den Begriff „Zecke“ als eine „abwertende Bezeichnung für politisch links Stehende und Angehörige der Punk-Szene, die bevorzugt von Angehörigen der rechtsextremen Szene gebraucht wird (…) Der Vergleich mit Insekten im speziellen mit Parasiten hat eine schlimme Tradition: Die Nationalsozialisten hetzten unter dem immer wiederkehrenden Topos des ‚Parasiten‘ als (Volks-)Schädling gegen Juden und überhaupt alle diejenigen, die sie als ’nicht-arisch‘ stigmatisierten.“

Bei diesem Spiel wurden die Fans von St. Pauli jedoch nicht nur als „Zecken“ beschimpft sondern kurioserweise gleichzeitig auch als Nazis: „Ihr seid Nazis asoziale Nazis, Ihr schlaft unter Brücken oder in der Bahnhofsmission!“ erklang es lautstark aus der Südkurve. Jan Tölva berichtet in seinem Blog außerdem unter dem Titel „Rechte Scheiße im Eintracht Stadion“ über rechte Kleidungstücke, wie z.B. ein Schal mit einer Reichskriegsflagge die ein Anhäger der „Nod Power Dogs“ dort getragen haben soll.

Dem NPD-Parteichef Holger Apfel dürfte wohl der bekannteste extrem rechte Fan des Vereins sein, der erst kürzlich in die Schlagzeilen geriet, nachdem die Initiative gegen rechte (Hooligan)strukturen ihre Broschüre “kurvenlage – Rechte Aktivitäten in der Fanszene von Eintracht Braunschweig” veröffentlichte. Regelmäßig kommentiert Apfel die Erfolge und Misserfolge der Mannschaft in sozialen Netzwerken: „3-0 gegen Bochum. Was für ein geiler Zweitliga-Start. 7 Siege, 2 Unentschieden, 16:3 Tore“ schrieb er am 6.10.2012. Einer seiner Anhänger kommentiert den Eintrag mit : „Wahnsinn! Holger, fahr grad mit dem Auto wieder vom Stadion nach Hause. Lass Dich endlich mal wieder im Tempel [=das Eintracht Stadion] hier blicken! :-)“ Allzu oft läßt es die Zeit von Holger Apfel nicht zu, dass er selbst ein Spiel besucht. Wenn, dann steht er bei Heimspielen in der Südkurve. Allein ist Holger Apfel dort nicht, auch andere NPD-Politiker und Anhänger sind regelmäßig im Stadion. So z.B. Apfels Parteifreund Patrick Kallweit, Ratsabgeordneter in Vienenburg und Mitarbeiter in der Fraktion von Holger Apfel im Sächsischen Landtag.

Der Soziologe Gerd Dembowski zieht dahinter eine gezielte Strategie:

Der sächsische NPD-Chef Holger Apfel will seine Partei über den Fußball sichtbarer machen. Apfel ist Fan von Eintracht Braunschweig, was der Klub gerne verschweigt. Apfels Devise: Wir wollen uns nicht separieren, sondern mittendrin sein. Er glaubt, erst komme die kulturelle Akzeptanz, dann die Hegemonie.“ Er glaubt das statt „akzeptierender Sozialarbeit“ die Fan-Projekte am „erfolgreichsten sind, die rechtsextreme Fans ausschließen und die Gruppen stärken, die im Stadion Zivilcourage zeigen. Man vernetzt diese Leute, macht mit ihnen Zeitungen, bastelt Banner“ (das ganze Interview gibt es hier).

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