Wolfenbüttel: Rechte Propaganda mit Graffitis und Stencils

Graffiti
„Scheiss Nazis“: Übermaltes rechtes Graffiti an der Verkehrskreisel „Am Herzogtore“ in Wolfenbüttel

Ein Graffiti mit einer Fahne in den Farben des „Deutschen Reiches“, selbstgemachte Aufkleber im Stencil-Stil, die vor einem „Volkstod“ warnen und auf denen Kürzel wie „NS“ und „FK WF“ zu lesen sind und Aufkleber, die z.B. zum „Tag der deutschen Zukunft“, einem alljährlichen Aufmarsch der norddeutschen Neonazis der in diesem Jahr in Wolfsburg stattfinden soll, aufrufen – Seit einigen Monaten tritt in Wolfenbüttel eine neue neonazistische Gruppierung in Erscheinung, die sogenannten „Freien Kräfte Wolfenbüttel“ (FK WF).

Hinter dieser Gruppierung, die Teil des regionalen Zusammenschlusses „Aktionsbündnis 38“ und der „Freien Kräfte Niedersachsen Ost“ ist, stehen 3-4 Personen, die teilweise der Ultraszene aus der Südkurve von Eintracht Braunschweig angehören und seit einiger Zeit insbesondere mit den Neonazis aus der „Aktionsgruppe 38“ in Verbindung stehen. Dazu gehört zum Beispiel Simon Pocinosznow und Jeffrey Homann. Auch der Bassist der aufgelösten Wolfenbütteler Band „Freigänger“ bewegt sich in diesem Umfeld.

Die „Freie Kräfte“ in der Region

Die „Freien Kräfte“ sind eine Organisationskonzept, dass seit einigen Jahren von den parteifernen Teilen der Neonazi-Szene umgesetzt wird. Dabei setzt man, auch um mögliche Verbote zu umgehen, auf eine netzwerkförmige Organisierung, meist ohne formale Strukturen oder feste Mitgliedschaften. Oft wird die Bezeichnung „Freie Kräfte“ verbunden mit dem Ortsnamen und oder der Region auch als Sammelbezeichnung für alle neonazistischen Aktivisten einer Region benutzt, unter der diese dann bei Aufmärschen oder mit Internetseiten auftreten. In der Regel gibt es aber in den Gruppen informelle Hierachien, meist sind es ein oder mehre Aktivisten, die das sagen haben. Manche Gruppen, wie z.B. auch die „Aktionsgruppe 38“ haben aber intern durchaus eine sehr formelle Struktur, zu der eine Art reglmäßiger „Mitgliedsbeitrag“ gehört und eine Anwärterzeit, in denen sich neue Aktivistinnen erst bewähren müssen, bevor sie dann zum „Vollmitglied“ werden.

In der Region zwischen Harz und Heide sind es auf lokaler Ebene vor allem sogenannte „Aktionsgruppen“, wie z.B. die „Aktionsgruppe 38“ oder die „Aktionsgruppe Gifhorn“ die vor Ort aktiv sind und gemeinsam unter dem Label „Freie Kräfte Niedersachsen Ost“ auftreten. Zu den „FKNO“ gehören derzeit die „Aktionsgruppe 38“, die „Aktionsgruppe Gifhorn“, die „Freien Kräfte Salzgitter“, die „Freien Kräfte Uelzen“, die „Freien Kräfte Wolfsburg“ und die „Freien Kräfte Wolfenbüttel“, sowie Neonazis aus der Region Hannover. Nach außen hin macht die Vielzahl der Gruppen den Anschein einer breiten und überall lokal vertretenen Szene. Tatsächlich stehen vor Ort jedoch oft kaum mehr als eine handvoll Aktivisten hinter diesen Grüppchen und ein Teil davon kommt dann oft noch aus umliegenden Dörfern.

Das „Infoportal Wolfenbüttel/Salzgitter“

Während die „Freien Kräfte Wolfenbüttel“ derzeit vor allem durch Aufkleber und Graffitis auf sich aufmerksam machen, wird die Internetseite „Infoportal Wolfenbüttel/Salzgitter“, die schon vor einigen Jahren von den „Autonomen Nationalisten Wolfenbüttel/Salzgitter“ initiiert wurde, kaum mehr aktualisiert. Der letzte Artikel stammt aus dem Herbst 2012. Schon davor wurden fast nur noch von anderen Seiten kopierte Artikel veröffentlicht. Der letzte selbstverfasste „Aktionsbericht“ stammt aus dem Sommer 2011. Damals wurde unter dem Motto „Grillen für die Bewegung“ von „autonome Aktivisten aus Wolfenbüttel“ eine Feier veranstaltet, deren Erlös für den Druck von Flugblättern oder die Bezahlung der Serverkosten für das „Infoportal“ gedacht war.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.