Wer steckt hinter dem Werbevideo für den Naziaufmarsch in Wolfsburg?

Aufmarsch der Partei "Die Rechte" in Kirchweyhe am 11.5.2013
Marcel und Maik Streilein beim Aufmarsch der Partei “Die Rechte” in Kirchweyhe am 11.5.2013

Vor einigen Tagen wurde auf Youtube ein Werbevideo für den Naziaufmarsch “Tag der deutschen Zukunft” (TDDZ) am 1. Juni in Wolfsburg hochgeladen. Im Vorspann des Videos der »BFZ Media« werden u.a. “Ossi”, “Munin” und “Aldebaraner”, sowie das »Aktionsbündnis 38« als Urheber des Videos genannt. Unter der Bezeichnung »BFZ Media« verbreitet die » für Zivilcourage Wolfsburg« seit Jahren Videos meist mit Berichten über rechte Aufmärsche und eigene Aktivitäten, wie z.B. “Heldengedenkfeiern”.

Das Video greift mit allerlei Schlagworten neonazistische Themen auf, so drohe z.B. ein “Volkstod” und der “Kulturverfall“. Bebildert wird dies durch Schlagzeilen mit der Forderung nach einem “Minarett-Verbot“. Manches erinnert schon sprachlich an die NSDAP, so wird von “volksfremder Kunst” gesprochen – dazu Bilder von Graffitis und Rap-Sängern, denen man “frauenfeindliches Liedgut” vorwirft. Das sich Sexismus und Frauenfeindlichkeit durch viele Liedtexte von Rechtsrock-Bands ziehen und manche Neonazis die hier als “volksfremde Kunst” verunglimpfte Rap-Musik und Graffitis inzwischen selbst für ihre neonazistische Propaganda benutzen, wird natürlich geflissentlich ausgeblendet. Gezielt setzt man im Video auf islamfeindliche und rassistische Ressentiments, so werde z.B. “gemischte Schulklassen” kritisiert. Die an den südafrikanischen Apartheidstaat oder die Rassentrennung in den USA bis in die 60er Jahren erinnernde Forderung nach “getrennten Schulklassen” für “deutsche Kinder und Ausländerkinder” wird derzeit auch von der NPD in Bayern erhoben. Wer aus der Sicht der Neonazis “deutsch” ist, wird dabei nach dem völkischen Kriterium definiert, ganz so wie es die NSDAP schon in ihrem 25-Punkte Programm von 1920 forderte: Demnach soll nur der deutscher  Staatsbürger sein können, der auch “deutschen Blutes” ist.

Werbevideo zum TDDZ
Webevideo mit der rassistischen Kritik an “gemischten Schulklassen”

Doch wer steckt hinter den Pseudonymen, die als Urheber für das Video angeben sind?

Hinter “Ossi” verbirgt sich Marcel Streilen aus dem Landkreis Gifhorn. Marcel und Maik Streilein nehmen regelmäßig an Aufmärschen der rechten Szene teil und gehören zu den regionalen Aktivisten rund um die “Aktionsgruppen” und die NPD. Zuletzt beteiligten sich beide an einer Demonstration der Partei »Die Rechte« am 11.5.2013 in Kirchweyhe.

Beide sind in der Vorbereitung und die Mobilisierung für den TDDZ in Wolfsburg involviert. So trugen sie z.B. am 13.10.2012 bei einem Aufmarsch in Dessau ein Transparent mit Werbung für den TDDZ. Am 4.5.2013 betreute Marcel Streilein den Infostand des TDDZ beim Rechtrockevent “Nationaler Kundgebungstag” der NPD in Leinefelde im thüringischen Eichsfeld. “Munin” – so nennt sich Michele Barkofsky, führender Aktivist der »Bürgerinitiative für Zivilcourage« (BFZ Wolfsburg), die eine Zeit lang auch als »Aktionsgruppe Wolfsburg« auftrat. Und “Aldebaraner”?

Michael Berner (2. links mit Cap) hinter dem Stand des "TDDZ" am 4.5.2013 in Leinefelde. Foto: facebook.com
Marcel Streilein (rechts) hinterm Info-Stand des “TDDZ” am 4.5.2013 in Leinefelde. Foto: facebook.com

Laut der Ausstellung “Rechtsextremismus heute” der Arbeitstelle Rechtsextremismus und Gewalt in Braunschweig ist “Aldebaraner” das Pseudonym von Henri G., einem der Mitbegründer der BFZ Wolfsburg. In den letzten zwei Jahren ist dieser allerdings nicht mehr öffentlich in Zusammenhang mit rechten Aktivitäten in Erscheinung getreten – er soll sich aus beruflichen und privaten Gründen aus der aktiven Arbeit zurückgezogen haben. Veröffentlicht wurde das Werbevideo für den TDDZ auf dem youtube-Kanal von “Adle baraner”, über den seit 2008 Videos der BFZ Wolfsburg verbreitet werden Mit dem Rückzug von Henri G. vor rund zwei Jahren wurde der Kanal nicht mehr benutzt, das letzte Video stammt aus Mai 2011. Das nun dieser Kanal wieder benutzt wird und das Pseudonym “Adle baraner” wieder auftaucht, ist ein Indiz dafür das Henri G. wieder in der BFZ Wolfsburg mitmischt.

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