Gifhorn: Neonazis bei “Tierschutz”-Demo

15.9.2013 - Neonazis bei "Tierschutz"-Demo
Bild: Screenshot von facebook.com

seit 1933 AG Gifhorn” ist auf einem Transparent zu lesen, das eine Gruppe von 10 Neonazis vor dem Gifhorner Mühlenmuseum in die Kamera hält. Veröffentlicht hat das Foto die neonazistische »Aktionsgruppe Gifhorn« anläßlich ihrer Teilnahme an einer Demonstration für „Härtere Strafen für Tierquäler“ am Sonntag, den 15.9.2013 in Gifhorn. Anlass der Demonstration, an der sich mehrere hundert Menschen beteiligten, war der qualvolle Tod einer Hündin, die von ihrer Besitzerin mit Klebeband gefesselt in einem See bei Gifhorn ertränkt worden war.
Auch der »Kreisverband Die Rechte Braunschweiger Land« berichtete über die Teilnahme mehrerer seiner Aktivisten an der “Tierschutz”-Demonstration, nicht ohne zu betonen, dass deren TeilnehmerInnen “fast ausschließlich Deutsche” gewesen seien. Und so bedanken sich die Neonazis auch brav bei den Veranstaltern für die “gelungene Organisation” und fordern zugleich auch härtere Strafen “gegen Volksgruppen, welche das abartige Ritual des Schächtens praktizieren“. Ihren Antisemitismus und ihren islamfeindlichen Rassismus versuchen die Neonazis hier über den Umweg eines vermeintlichen “Tierschutzes” an den Mann und die Frau zu bringen. „Wenn sich Neonazis offen zu erkennen geben“, so der Aussteiger Sebastian Angermüller gegenüber dem Netz gegen Nazis, “dann stoßen sie glücklicherweise meist auf breite Ablehnung.” Deshalb versuchen Neonazis Strategien zu entwickeln, die offene rechte Symbolik und Parolen vermeiden und verpacken ihre Ideologien in vermeintlich unpolitische Themen, wie z.B. den „Tierschutz“. Mit solchen Türöffner-Themen versuchen die Neonazis sich in der Mitte der Gesellschaft zu verankern und in sozialen Bewegungen oder Jugendszenen Fuß zu fassen und Sympathien zu gewinnen. Entsprechend dieser Strategie zeigten die Neonazis ihr eigens für das Gruppenfoto mitgebrachte Transparent auf der Demonstration selbst nicht.

Tierliebe Menschenfeinde

“Tierschutz seit 1933” – die Aufschrift des Transparentes der Gifhorner Neonazis spielt darauf an, dass die Nazis am 24. November 1933 das erste Tierschutzgesetz in Deutschland erließen. Schon damals war das  populäre Eintreten der Nazis für den Tierschutz vor allem aber ein Propagandainstrument:

1927 forderte ein NS-Vertreter im Reichstag Maßnahmen gegen ‘Tierquälerei und Schächten’. 1932 schlug die NSDAP ein Verbot der Vivisektion von Tieren vor. Am 21. April 1933 wurde das Schächten unter Strafe gestellt. Das ‚Gesetz über das Schlachten von Tieren’ vom 21. April 1933 gebot, warmblütige Tiere beim Schlachten vor Beginn der Blutentziehung zu betäuben. Ausnahmen waren nur bei Notschlachtungen gestattet. Bei vorsätzlichen oder fahrlässigen Zuwiderhandlungen wurden Geldstrafen oder Gefängnisstrafen bis zu sechs Monaten Haftdauer angedroht. Das Gesetz trat zum 1. Mai 1933 in Kraft (…) und gehörte damit zu den ersten und in erheblichem Maß propagandistisch verwendeten Gesetzgebungsmaßnahmen der NS-Zeit. Es bediente eine Vielzahl weitverbreiteter antisemitischer Ressentiments und schränkte die religiösen Freiheiten der Juden erheblich ein.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Tierschutz_im_Nationalsozialismus)

Weniger Tierliebe sondern ihr Antisemitismus war die Triebfeder für den „Tierschutz“ der Nazis. Und ganz so tierlieb waren die Nazis dann auch nicht: Tierversuche wurden auch im NS-Staat weiter durchgeführt, insbesondere in kriegswichtigen Forschungsgebieten. Und während sich die Nazis propagandistisch für den „Tierschutz“ einsetzen, wurde in den Konzentrationslagern grausame medizinische Versuche an Menschen durchgeführt’: „Tierliebe und Menschenverachtung waren in der NS-Ideologie kein Widerspruch“, schreibt dazu SpiegelOnline im lesenswerten Artikel “Nazis und Tierschutz – Tierliebe Menschenfeinde”.

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