Was für eine „Freundschaft“ verbindet den Eintracht-Geschäftsführer mit dem NPD-Funktionär Andreas Theißen aus Mecklenburg-Vorpommern?

facebook-Screenshot vom 30.9.2013
Ein -Funktionär in der Freundesliste des Geschäftsführer von Braunschweig. Screenshot:  facebook.com

Ignoranz und Inkompetenz“ warf vorgestern die taz in einer Kolumne der Führungsetage von vor. Dort sei man „der Problematik, die rechtsextreme Strukturen bedeuten, geistig nicht gewachsen.“ – Nun sind recherche38 Informationen zugespielt worden, die noch ein ganz anderes Licht auf den Geschäftsführer Sören Oliver Voigt werfen könnten: Dieser ist demnach mit einem führenden NPD-Funktionär aus Mecklenburg-Vorpommern befreundet – zumindest virtuell per facebook. Screenshots belegen, dass Voigt in dem sozialen Netzwerk mit Andreas Theißen, NPD-Kreisvorsitzender von Westmecklenburg und Wahlkreismitarbeiter des Schweriner NPD-Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs, „freundschaftlich“ verbunden ist.
Das wirft natürlich Fragen auf: Was für eine Art von „Freundschaft“ verbindet den Eintracht-Geschäftsführer mit dem NPD-Funktionär aus Mecklenburg-Vorpommern? [Nachtrag: Sören Oliver Voigt hat auf die Vorwürfe reagiert und eine Stellungnahme abgegeben]

Ingnoranz, Inkompetenz  oder gar Sympathie?

Sicher, man muss nicht jeden persönlich kennen, den man in seiner facebook-Feundesliste aufnimmt. Immerhin ist Voigt dort mit über 450 Personen befreundet, darunter allerlei Lokalprominenz aus Sport, Politik, Wirtschaft und Kultur. Man darf jedoch annehmen, dass man bei jemanden, dessen Freundschaftsanfrage man bei facebook annimmt – oder dem man eine solche gestellt hat – zumindest zuvor einmal auf dessen Profil geschaut hat. Und da dürfte selbst Sören Oliver Voigt nicht verborgen geblieben sein, dass es sich bei Andreas Theißen um einen Neonazi handelt. Schon das Hintergrundbild seines Profils ist deutlich im aktuellen Design der NPD gehalten. Regelmäßig verbreitet Theißen dort Meldungen mit NPD-Propaganda, z.B. Artikel aus der Parteizeitung „Deutschen Stimme“ mit dem Konterfei von Parteichef Holger Apfel. Wer mit Theißen befreundet ist, dürfte diese Posts auch in seinem eigenen Account automatisch angezeigt bekommen. Naheliegend ist, dass Sören Oliver Voigt aus „Ingnoranz und Inkompetenz“ sich darüber einfach keine Gedanken gemacht hat. Schwer zu glauben dagegen wäre, dass er hier klammheimliche Sympathien hegt. Es sollte also in seinem eigenen Interesse sein, für Aufklärung zu sorgen und die Frage zu beantworten, was ihn mit dem Neonazi Theißen verbindet.

Andreas Theißen: Sprengstoff, Körperverletzung und rechte Unterwanderung

facebook-Profil von Andreas Theißen
Das facebook-Profil von Andreas Theißen

Andreas Theißen ist nicht irgendein NPD-Anhänger. Er gehört mit zu den einflussreichen Köpfen in der NPD. In Lübtheen sitzt er für die NPD in der Stadtvertretung, er ist Vorsitzender der Partei in Westmecklenburg. Sein Gehalt bezieht er als Wahlkreismitarbeiter des Schweriner NPD-Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs. Bereits 2006 warnte der Spiegel: „NPD-Kader haben die idyllische Gegend um Lübtheen in Westmecklenburg zu ihrem neuen Zentrum erkoren. Die Rechten geben sich bürgernah, umwerben Handwerker, unterwandern Bürgerinitiativen und Vereine. Und vergiften das gesellschaftliche Klima (…) Pastörs in Briest; NPD-Landeschef Stefan Köster in Pätow-Steege; der Kreisvorsitzende Andreas Theißen in Langenheide; Thomas Wulff, die rechte Hand von NPD-Bundeschef , in Teldau: Weitgehend unbemerkt haben Rechtsextremisten und Neonazis alte Gutshäuser und günstige Grundstücke in der Gegend im Dreiländereck von Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Hamburg gekauft. Von hier wollen sie ihren ‚nationalen Widerstand’ organisieren.“  Andreas Theißen nahm an Lagern und Aktivitäten der heute verbotenen »Wiking-Jugend« teil, hatte Kontakte zur ebenfalls verbotenen »Nationalistischen Front« und wurde 1999 wegen vorsätzlichen und fahrlässigen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 15 Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Internetseite Endstation Rechts schreibt über ihn: „Während der NPD-Wahlparty im Oktober 2006 in Schwerin hatte der gelernte Zimmermann einen Kameramann gewaltsam abgedrängt und dabei am Auge verletzt. Dafür wurde er wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Nötigung zu einer Geldstrafe in Höhe von 1.000 Euro verurteilt.“ Auch seine Ehefrau ist in der rechten Szene unterwegs. Mit ihren Kindern hat sie an Lagern der inzwischen verbotenen »Heimattreuen Deutschen Jugend« teilgenommen. In Lünebürg arbeitete sie in einem städtischen Kindergarten, bis in den Medien über ihre Aktivitäten berichtet wurde und Eltern sich weigerten ihre Kinder weiter von ihr betreuen zu lassen.

2 Kommentare

  1. Ich kenne Herrn Voigt persönlich und glaube nicht, dass er auch nur die geringste Kleinigkeit mit der NPD gemeinsam hat. Das ist für mich einfach ein Problem der „automatischen“ Freundschaftsannahme bei Facebook…

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