Wolfenbüttel: Ein Neonazi beim Buspulling

Screenshot Kiebitz
beim am 6.10.2013 in Wolfenbüttel. Screenshot: www.wolfenbuettel-heute.de

Männer mit kräftigen Arme ziehen am Seil, das an einem Reisebus befestigt ist. Doch zu langsam rollt der Bus am Ende ins Ziel. Für das Team „B+W Fenstertechnik“ reicht es heute nur für den 2. Platz. Dabei sind die Männer des Buspulling-Teams keine Anfänger. Am 9. Mai dieses Jahres belegten einige von ihnen in Wolfenbüttel mit dem Team »Safety Kids« immerhin den 3. Platz der Deutschen Meisterschaft und den 1. Platz im „Fun – Wettbewerb“. Auch an diesem Sonntag, beim Feuerwehr Buspulling auf dem Gelände des E-Centers in der Schweigerstrasse in Wolfenbüttel, ist wieder ein auffällig bunt tätowierter Mann dabei: Es ist der Neonazi Dennis Kiebitz.

Ein »Hammerskin« als Werbeträger?

Erst vor einigen Monate hatte er für Schlagzeilen gesorgt: Als Mitglied der elitären Neonazi-Bruderschaft »Hammerskins« organisierte er im Februar diesen Jahres deren bundesweites „National Officer Meeting“ im Dorfgemeinschaftshaus in Werlaburgdorf. Nachdem Journalisten das Treffen entdeckt hatten und die Verantwortlichen in der Gemeinde informierten, mussten die Neonazis das Dorfgemeinschaftshaus, das für eine angebliche „Familienfeier“ angemietet wurde, wieder verlassen. Über Dennis Kiebitz Rolle in der Neonaziszene, seine Verbindungen in die Rockerszene und die Verankerung von Neonazis in den ländlichen Regionen um Wolfenbüttel haben wir ausführlich im Artikel „Die »Hammerskins« im Dorfgemeinschaftshaus – Oder: Ein Landleben mit Neonazis“ berichtet. Die neonazistischen Aktivitäten von Dennis Kiebitz dürfte inzwischen auch seinen Teamkollegen bekannt sein, stören tut sie das offensichtlich wenig. Ob Kiebitz aber als Werbeträger für eine mittelständische Firma, wie „B+W Fenstertechnik“, oder für ein Sicherheitstraininig für Grundschulkinder wie „Safety Kids“ taugt, mag man bezweifeln.

2.000 Euro für einen guten Zweck

Das vom E-Center organisierte Buspulling am Sonntag war übrigens für einen guten Zweck. Dankenswerterweise kamen dabei 2.000 Euro zusammen, die einem kleinem 6jährigen Jungen zugute kommen sollen, der seit seiner Geburt geistig- und körperlich behindert ist. Um ihm eine Delphin-Therapie zu finanzieren, sammeln unter anderem auch die Ultras von »Cattiva Brunsviga« und andere Fanclubs seit einger Zeit Spenden für den kleinen Jannes.

Behindertenmord und NS-Verherrlichung

Die Bands, die Neonazis wie Dennis Kiebitz gerne hören, haben solche bezeichnende Namen, wie »Sonderkommando Dirlewanger«, »Radikahl«, »Endlöser«, »Race War« oder auch »Oithanasie«. „Euthanasie“ – schöner Tod, so zynisch nannten die Nazis die Tötung behinderter Menschen im NS-Staat. Menschen, die sie wegen ihrer körperlichen oder geistigen Einschränkungen zuvor als „unwertes Leben“ abgestempelt hatten. Die Band »Race War«, zu deren Fans Dennis Kiebitz gehört (s. Foto unten), verherrlicht ganz offen den NS-Staat. Auf den CDs sind Hakenkreuze, Bilder von SS-Männern, marschierende Wehrmachtssoldaten sowie Bilder von Adolf Hitler und Joseph Goebbels zu sehen. Goebbels, der Propagandaminister, notierte am 31. Januar 1941 in seinem Tagebuch: „Mit Bouhler Frage der stillschweigenden Liquidierung von Geisteskranken besprochen. 40000 sind weg, 60000 müssen noch weg. Das ist eine harte, aber auch notwendige Arbeit. Und sie muß jetzt getan werden.“ In den Liedtexten von »Race War« wird diese NS-Zeit ganz offen wieder herbeigesehnt. Im Lied „Voran!“ beispielsweise heißt es:  „Es ziehen wieder Sturmkolonen durch die Weiten der schwarzen Nacht (…) Auf, auf zu neuen Taten! Alles soll wie früher sein!„. Wer sich für behinderte Menschen engagiert, der sollte Neonazis wie Dennis Kiebitz keine Möglichkeit geben, dass sie sich auch noch als karikative Wohltäter präsentieren können.

 

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