Neonazis bei „Montagsmahnwache“

Anhänger der Partei "Die Rechte" bei der "Montagsmahnwache" am 26.05.2014
Anhänger der Partei „Die Rechte“ und der „Jungen Nationaldemokraten“ (JN) bei der „“ am 26.05.2014. Foto: Screenshot youtube.com

+++ Braunschweig +++ Wie das Bündnis gegen Rechts auf seiner facebookseite berichtet, haben sich heute „eine handvoll Anhänger“ der neonazistischen Partei »« an der „Mahnwache Braunschweig – Für globalen Frieden und Völkerverständigung“ beteiligt. Die „Mahnwache“ vor den Schloßarkaden, an der sich ca. 30-40 Personen teilnahmen, sieht sich selbst als Teil der neuen „Montagsdemonstrationen“, die vor allem von verschiedenen Netzwerken diverser getragen werden.

Bei den Neonazis herrscht allerdings noch Uneineigkeit darüber, wie die „Montagsmahnwachen“ eingeschätzt werden sollen. Während die »Rechte Braunschweiger Land« zwar die Warnungen vor „Zinsknechtschaft“ und „Finanzdiktatur“ der Redner teile, sei „Verträumter  Pazifismus etwas absolut negatives„, so die Partei auf ihrer facebookseite. Denn die Neonazis halten an ihrer grundsätzlich gewalttätigen Haltung fest: „Freiheit muss, zur Not mit der Faust, erstritten werden!“ Wer etwas ändern wolle, der solle doch lieber bei ihnen mitmachen, lautet dann auch ihr Angebot an die Protestierenden. Die » Braunschweig« dagegen bezeichnet sich in ihrem Bericht über die Teilnahme an der „Montagsmahnewache“ als Teil der „Friedensbewegung„. Zwar könne man nicht alle Redebeiträge teilen, dem Grundtenor “Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit” stimme man aber zu und auch über die „Ursachenfeststellung rund um die FED-Act, den Zinseszins und Schein-Souveränität“ teile man. Im Gegenteil zur »Rechten«, die sich eher abgrenzt, setzt die NPD und ihre Jugendorganisation JN auf eine Strategie der Anbiederung. Offensichtlich sieht man bei den TeilnehmerInnen der „Montagsmahnwachen“ genug Anknüpfungspunkte, um sich weiter zu beteiligen und neue Anhänger zu gewinnen.

Beide Neonazi-Parteien blendeten eins übrigens aus: Die TeilnehmerInnen der „Montagsmahnwache“ sind ein sehr bunt zusammengewürfelter Haufen, so waren dort z.B. auch MigrantInnen und eine Frau mit Kopftuch und Übergewand mit dabei: Frauen in „islamischer Kleidung“ sind für Neonazis sonst ein absolutes Feindbild und Hassobjekt und stehen für sie als Sinnbild für eine angeblich drohende „Islamisierung“ der westlichen Welt und den „Untergang des Abendlandes“.

Eine treffende Beschreibung und prägnante Analyse der diffusen Bewegung der neuen „Montagsdemos“ gibt der Journalist Hanning Voigts in einem Artikel in der  Frankfurter Rundschau:

Da stehen junge Hippies neben alternden Gewerkschaftern, überzeugte Veganer neben überzeugten Unpolitischen, Anhänger abwegiger Verschwörungstheorien neben vereinzelten Neonazis. Dass sich diese Menschen trotz ihrer Widersprüche als gemeinsame Bewegung erfahren und sich voller Inbrunst ihre Einigkeit versichern, hat verschiedene, miteinander verschlungene Ursachen. Zunächst einmal bezieht diese diffuse Protestbewegung, in der von hoffnungslos naiven bis zu offen reaktionären Parolen alles zu hören ist, ihre Kraft aus einer realen Bedrohung. Niemand, der die derzeitige Eskalation zwischen der Nato und Russland in der Ukraine beobachtet, wird den Eindruck los, dass sich die Weltgesellschaft 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkrieges in einer äußerst heiklen Lage befindet. Auch die Krise der EU, der wachsende Zuspruch für rechtspopulistische Parteien und die zunehmenden sozialen Fliehkräfte in der Weltwirtschaftskrise machen spürbar, dass die europäischen Demokratien gefährdet sind. Die Proteste sind ein Ausdruck der Angst, die diese neue Unberechenbarkeit auslöst …“ (Weiterlesen auf FR online)

7 Kommentare

  1. Die hier aufgeführte „recherchierte“ Beschreibung weist leider zwei Gesichter auf. Die Anwesenheit der Rechten ist gut beschrieben, das Gegenteil ist allerdings bei der Mahnwache der Fall. Hätte der Recherchierende nur zugehört und sich über die bundesweiten Mahnwachen informiert, hätte er seine Worte anders gewählt. Mich jedenfalls, hat Recherche38 als Stammleser verloren.

    • Wo liegt jetzt dein Problem? Das Neonazis da waren ist eine Tatsache. Das bestätigst Du ja selber. Auf die Mahnwache in Braunschweig an sich ist doch gar nicht eingegangen worden. Zitiert und verlinkt wurde ein Text aus einer Zeitung der sich durchaus kritisch mit den bundesweiten Mahnwachen auseinandersetzt und, wie wir finden, da nicht einfach alle über einen Kamm schert, sondern sehr wohl differenziert welch eine bunte Mischung dort teilnimmt. Wenn dich etwas an dem zitierten Text stört oder du meinst das trifft nun nicht auf die Mahnwache hier zu, dann wäre es sicherlich gut, dass auch mal konkret zu benennen. Was ist den jetzt deiner Meinung nach dort falsch dargestellt? Und was die Nazis betrifft: Ein bißchen entsteht doch der Eindruck dass die Manwachenleute sich eher über den Artikel aufregen, anstatt über die Teilnahme der Nazis, oder? Gibt es denn jetzt im Nachhinein eine deutliche Abgrenzung, dürfen die weiter mitmachen? Das wären Fragen, die sich die Manwachenorganisatoren mal beantworten sollten …

  2. Den Beitrag könnte man unglaublich gut in der BILD abdrucken, so extrem aus der Luft gegriffen ist dieser. Ich bin regelmässige Teilnehmerin an den Mahnwachen in Braunschweig. Nazis auf den Montagsmahnwachen- ja, das streite ich nicht ab, aber wenn ihr mal richtig recherchieren würdet, würde hier auch stehen, dass es bei diesen Montagsmahnwachen nicht darum geht, wer rechts ist und wer nicht, sondern darum, dass wir hier nicht bald ein ,,Bombenwetter“ haben… und wer welche politische Gesinnung bei diesem ernsten Thema hat, ist einfach mal egal- denn darum geht es bei diesen Mahnwachen nicht, sondern um Frieden, Toleranz und Gleichsetzung- und solange dort keiner Ärger macht wird er auch geduldet! Toleranz fängt bei jedem selbst an- und wenn wir Frieden haben wollen, müssen wir auch beginnen, Menschen zu tolerieren, die nicht mit uns einer (politischen) Meinung sind!

    Ich find das abselout unmöglich, wie dieser Beitrag die Montagsmahnwachen in Verbindung mit Nazis dastellt. Wenn ich ein Nazi bin, darf ich dann nicht für den Frieden sein? Und nein, das widerspricht sich nicht, denn auch wenn es nicht in euer beschränktes Weltbild passt, gibt es Leute, die zwar rechts gesinnt sind, für die jedoch zum Beispiel ,,Frauen mit Kopftuch“ keinerlei Feindbild darstellen, genauso wenig wie jeder andere Ausländer.

    Ihr habt erkannt worauf ich hinauswill? Nämlich das JEDER der auf die Montagsmahnwachen geht- egal ob Ausländer, Islamist, Deutscher, Armer, Reicher, Links oder Rechts- begriffen hat, dass es hier in Deutschland schon längst um viel mehr geht, als darum wer rechts oder links ist.

    Am besten gefällt mir immer noch, die Aussage, diese Demos seien ,,vor allem von Verschwörungstheoretikern getragen“.. Kleiner Tipp- auf die Mahnwachen kommen, sich informieren und sich DANN ein Bild von diesen ,,Verschwörungstherorien“ machen.

    Ihr wollt Antifaschismus- dann fangt erstmal bei euch selber an und grenzt nicht diejenigen aus, deren politische Gesinnung euch nicht in den Kram passt.

    Deutschland hat den Antifaschismus NIE so sehr gebraucht wie in Zeiten wie diesen- und ihr hockt da, faselt irgendetwas davon, dass Nazis Leute auf den Mahnwachen anwerben wollen und geht nebenbei Mini-Nazis jagen?

    Und wie gesagt- JA!- ich rege mich mehr über den Artikel auf, als über Teilnahme der Nazis, denn wie gesagt- um die Nazis geht es bei dieser Veranstaltung für Frieden, Toleranz und Miteinander nicht- denn Frieden, Toleranz und Miteinander setzt auch vorraus, dass wir Leute akzeptieren und akzeptieren wollen die nicht unserer politischen Meinung sind!

    • Der Kommentator ist so schön selbstentlarvend, das wir ihn hier stehen lassen. Da wird dem Artikel vorgeworfen, er sei „aus der Luft gegriffen“ um dann im nächsten Satz gleich den Inhalt zu bestätigen: das nämlich Neonazis an der Montagsmahnwache teilgenommen haben. Waren ja auch auch schön lieb und nett und friedlich. Wer mit Neonazis gemeinsam für „Frieden, Toleranz und Miteinander“ demonstriert, der muss sich den Vorwurf gefallen zu lassen naiv oder ziemlich dämmlich zu sein – oder vielleicht doch selbst gewisse Sympathien zu haben. Die Neonazis waren also Leute, „die zwar rechts gesinnt sind, für die jedoch zum Beispiel ‚Frauen mit Kopftuch‘ keinerlei Feindbild darstellen, genauso wenig wie jeder andere Ausländer.“ Hast du dich mal über die Leute informiert? Das sind waschechte Neonazis, die Hitler verehren, den Holocaust sowohl leugnen als auch gut finden, gegen den Islam hetzen, gegen Moscheen demonstrieren, zum „Volkstrauertag“ ihren gefallenen „Helden“ der „Wehrmacht“ und „SS“ gedenken … Das sind für dich also friedfertige, tolerante Menschen ohne Feindbild. Sorry, aber wie blöd oder naiv bist du eigentlich?

  3. Ich kann jonathan nur zustimmen- der Artikel weist zwei Gesichter auf- es gibt nur eine schwarze und eine weiße Darstellung. Mal davon abgesehen gibt es diese Friedensmahnwachen mit den ,,hoffnungslos naiven“ Parolen nicht nur in Deutschland- sondern überall ! In New York gehen 3000 Menschen fast täglich auf die Straße für den Frieden- gegen den Krieg- in diesen Zeiten ist Zusammenhalt wichtiger denn je!

    • Wer mit Neonazis für den Frieden demonstriert hat einen an der Waffel! Egal ob in China ein Sack Reis umfällt oder in New York 3000 Menschen fast täglich auf die Straße gegen den Krieg gehen … Unterm Alufolienhut scheint es doch so heiß zu werden, dass das Gehirn darunter leidet? 😉

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