Spaziergang gegen Rechts: Neonazis versammeln sich vor Wohnhaus – Antifaschistisches Café mit Hakenkreuzen beschmiert

Foto: dokurechts
Foto: dokurechts

Rund 80 Menschen beteiligten sich am Samstagmittag an einem „Spaziergang gegen Rechts“ durch die Braunschweiger Innenstadt. Ziel der Demonstration war unter anderem ein Wohnhaus in der . Dort wohnt der Neonazi Johannes Welge und seine Lebensgefährtin , die öffentlich für die Partei »Die Rechte« in Erscheinung tritt. Das Haus dient den Neonazis immer wieder als „Treffpunkt, z.B. für Veranstaltungen oder Partys“, hieß es in dem Aufruf zum Spaziergang. An die 30 Neonazis hatten sich bereits am Morgen vor und im Haus versammelt, darunter auch der Kreisvorsitzende der Partei »Die Rechte«, . Die Polizei verhinderte am Altstadtmarkt, dass die Demonstration, die nach Angaben der Behörden nicht ordnungsgemäß angemeldet war, weiter in die Sonnenstrasse zog. Die DemonstratInnen gingen nach einem kurzen Gerangel mit der Polizei weiter zu Karstadt und dann zu den Schloßarkaden, wo jeweils Redebeiträge gehalten wurden.

Versuchter Angriff gegen Fotografen

In der Sonnenstraße kam es währenddessen zu einem kleineren Zwischenfall, als ein paar Neonazis versuchten einen Fotografen anzugreifen, der die Versammlung vor dem Haus dokumentieren wollte.

Hakenkreuzschmierereien

Am Abend verklebten eine kleinere Gruppe von Neonazis Aufkleber der »Jungen Nationaldemokraten Braunschweig« rund um das Antifaschistische Café am Cyriaksring. Das Haus, in dem sich neben dem Café auch die Wohnung einer Familie befindet, wurde mit Hakenkreuzen und Parolen beschmiert. Der Kreisverband der Partei »Die Rechte« distanzierte sich am Abend von den „stumpfen Parolen und krummen Hakenkreuzen, welche anscheinend von einer Bande von Legasthenikern am Antifa Café gesprüht wurden“ und bezeichnete die Täter als „Deppen“.

Soliparty für »Reichstrunkenbold«

Das Haus in der Sonnenstrasse, vor dem sich die Neonazis versammelt hatten, gilt auch bei den Behörden als Treffpunkt von Neonazis. Am 29. Juni 2013 fand hier eine „Soliparty“ für den in Österreich inhaftierten und aus Hessen stammenden rechten Liedermacher »Reichstrunkenbold« statt. Der »Freundeskreis Gefangenenhilfe«, eine Organisation, die sich um Neonazis in Haft kümmert und z.B. auch eine Solidaritätskampagne für den mutmaßlichen NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben initiiert hat, berichtete auf seiner Homepage über die Veranstaltung, bei der 1.500 Euro für den Liedermacher gesammelt worden sein soll. Dieser saß zu dieser Zeit in U-Haft in Österrreich. Vorgeworfen wurde ihm ein Verstoß gegen das österreichische Verbotsgesetz. Das Gesetz stellt die Betätigung im Sinne des Nationalsozialismus unter Strafe. „Laut Anklage handelt es sich bei dem Hauptangeklagten um einen in einschlägigen Kreisen bekannten Wandermusiker und Händler von nationalsozialistischen Gegenständen. Auch der Vertrieb mit verbotenen Waffen, etwa als Feuerzeug getarnte Springmesser oder Taschenlampen mit Elektroschock-Funktion, sowie Kriegsmaterial wurde ihm vorgeworfen.“, schrieb die DiePresse über den Prozess. Daneben soll er sich auch im illegalen Zigarettenhandel betätigt haben. Der weitgehend geständige Liedermacher wurde schließlich zu 3 Jahren Haft verurteilt.

Eine CD des Liedermachers zeigt einen Krematoriumsofen eines NS-Vernichtungslagers, darunter der zynische Titel „Viel Asche um nichts“. Im Lied „Buchenwald“ singt der »Reichstrunkenbold«:

In Auschwitz weiß ein jedes Kind das Juden nur zum heizen sind. Fidiralala, fidiralala, fidiralalala … In Buchenwald, in Buchenwald, da wird kein Jude richtig alt. Fiederallala, fiederallala, fiederallalalala.

Die Texte des Liedermachers, für den die Neonazis mit ihrer „Soliparty“ in Braunschweig Geld sammelten, zeigt welche menschenverachtenden und zynischen Lieder in dieser Szene beliebt sind.

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