“Stützpunkt Braunschweig” der »Jungen Nationaldemokraten« gegründet

JN abkratzenMit allerlei Brimborium, wie einem kleinen Fackelmarsch und einer feierlichen „Vereidigung“ wurde am 16. August 2014 ein „Stützpunkt Braunschweig“ der »Jungen Nationaldemokraten« (JN) ins Leben gerufen. Nachdem die Jugendorganisation der NPD seit vielen Jahren in der Region nicht mehr aktiv war, konnte sie in den letzten ein bis zwei Jahren wieder neue Mitglieder bzw. Anwärter gewinnen. Vor allem in der Region Wolfsburg und Gifhorn und zuletzt auch in Braunschweig sind in den letzten Monaten vereinzelt Aktionen der JN bekannt geworden. Neben Verteilaktionen versuchte die JN vor allem Anfang des Jahres z.B. mit Holzkreuzen das Thema der Bombardierung deutscher Städte durch die Alliierten im Zweiten Weltkrieg aufzugreifen. Zuletzt geriet die JN in die Schlagzeilen, als das Antifa-Café am Cyriaksring mit Hakenkreuzen beschmiert und dabei auch Aufkleber der »JN Braunschweig« verklebt wurden. Wenig „kameradschaftlich“ fiel sowohl die Partei »Die Rechte« als auch die JN ihren hakenkreuzschmierenden „Kameraden“ aus der Nordheide in den Rücken und distanzierte sich. Die JN sprach von „platten Parolen“ und behauptete man lehne „Sachbeschädigungen und in aller Form ab“.

Zu den Aktivisten der JN in der Region gehören unter anderem der Wolfsburger NPD-Vorsitzende und aus dem Landkreis Gifhorn, der sich vor allem im Umfeld des Kreisverbandes „Braunschweiger Land“ der Partei »Die Rechte« bewegt. Beide beteiligten sich auch am „Europakongreß“ der JN am 22.03.2104 im thüringischen Kirchheim.

Die JN, die in Niedersachsen nur über vier „Stützpunkte“ verfügt, soll 2013 in Niedersachsen laut Verfassungsschutz lediglich aus 20 Mitgliedern bestanden haben. Bundesweit sind es an die 350 Mitglieder. Unter dem Landesvorsitzenden Christian Fischer, ein Anhänger der verbotenen »Heimattreuen Jugend« (HDJ) hat die JN in Niedersachsen eine stark völkische Ausrichtung erfahren. Dies wird unter anderem auch durch Aktivitäten der „Brauchtumspflege“, wie die Veranstaltung von „Erntedankfesten“ deutlich. Auch der Bericht über die Gründung des „Stützpunkt Braunschweig“ der JN erinnert an die Gepflogenheiten der HDJ: „Formiert in einem Kreis, begingen wir gemeinsam eine wunderbare Zeremonie, in der die neuen Mitglieder vereidigt wurden, sie in der JN wilkommen geheißen wurden und letztlich das Feuer der Gemeinschaft entfachten“ heißt es da schwülstig. Die veröffentlichten Bilder dazu zeigen einen Aufzug von kaum ein Dutzend junger Neonazis – aufgestellt in Zweierreihen mit Fackeln und Fahnen. Entgegen ihrem sonstigen Auftreten – insbesondere in den sozialen Netzwerken –  in denen die JN versucht sich als junge, moderne, dynamische und revolutionäre Jugendbewegung zu präsentieren, wirken Bericht und Bilder der Gründungsfeier in Braunschweig doch recht altbacken.

Die Gründung des JN-Stützpunktes zeigt, dass die noch überschaubare neonazistische Szene in der Region weiter am Ausbau ihre Strukturen und der regionalen Vernetzung arbeitet. Hinter der scheinbaren Ausdifferenzierung und Erweiterung der Gruppierungen stecken allerdings personell immer wieder die selben Neonazi-Aktivisten, die bereits unter anderen Labeln in Erscheinung getreten sind. Eine wirkliche qualitativen, personellen und strukturellen Ausweitung der regionalen Szene ist derzeit eher nicht festzustellen. Kompensiert wird dies durch rege Aktivitäten auf den diversen facebook-Seiten, die oft mehr Aktivismus vorspiegeln, als tatsächlich vorhanden ist.

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