Facebookseite von »Brauschweig wacht auf« und Foto vom "Hogesa"-Aufmarsch am 26.10.2014 in Köln
In der Symbolik vereint: Die Facebookseite von »Brauschweig wacht auf« und das Transparent Braunschweiger Hooligans und Neonazis iam 26.10.2014 in Köln.

Braunschweig: Drohen Montagsdemonstrationen von Neonazis, rechten Hooligans und „Wutbürgern“ nach Dresdner Vorbild?

Seit Wochen folgen in Dresden hunderte Menschen dem Aufruf der Initiative »Patriotische Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes« () zu „Montagsspaziergängen“ und Demonstrationen. Von Anfangs wenigen Hundert stieg die Zahl der Teilnehmenden in kurzer Zeit auf über 3.000 an, wie die Sächsische Zeitung berichtet. Unter den Teilnehmenden, aber auch unter den Organisatoren, tummeln sich neben rassistischen „Wutbürgern“ auch Mitglieder der AfD, der NPD, Neonazis, rechte Hooligans und Mitglieder von Rockgruppen. Geeint werden sie durch den Hass auf den Islam und die Ablehnung von Flüchtlingen.

»«-Anhänger planen „Montagspaziergänge“ in Braunschweig

Nun plant die Initiative »«, die zum Spektrum der »Hooligans gegen Salafisten« (HogeSa) gehört, zu „stillen Treffen“ oder zu „Abendspaziergänge[n], immer Montags Abends vor dem Schloss“ aufzurufen. Explizit bezieht man sich dabe auf das Vorbild der „“ von PEGIDA in Dresden. Bisher diente die Facebook-Seite »Braunschweig wacht auf« vor allem der Mobilisierung zu Aktivitäten der »Hooligans gegen Salafisten«, wie der Kundgebung am 15.11.2014 in Hannover oder der am morgigen Samstag ebenfalls in Hannover stattfindenen Kundgebung „Gegen linke Gewalt von Hooligans und Neonazis, die vom Braunschweiger (»Die Rechte«) angemeldet wurde.

„Wutbürger 2.0“: Rechte Fußballfans und Hooligans, Neonazis, Rocker und andere Islamfeinde und Flüchtlingshasser

Etwas über 1.000 Menschen haben bereits „Gefällt mir“ auf der Seite »Braunschweig wacht auf« geklickt. Bei einem Beitrag, in dem gefragt wird, ob Interesse an montäglichen „Abendspaziergängen“ nach Dresdner Vorbild bestehe, klickten über 100 User „Gefällt mir“ und an die 30 hinterließen zustimmende Kommentare. Hier findet sich im Netz die gleiche Mischung von Sympathisanten ein, wie sie bereits in Dresden auf der Straße bei den Aktivitäten von PEGIDA anzutreffen ist: rechtsorientierte Fußballfans (die sich auf ihren Profilen als Fans von Eintracht Braunschweig zeigen, darunter z.B. auch Mitglieder des Fanclubs „Schluckspechte“) »HogeSa«-Anhänger und Neonazis, Mitglieder eines Rockerclubs und dessen Supporter und rechte Hooligans, die teilweise an den Ausschreitungen am Pfingstmontag des letzten Jahres in der Braunschweiger Innenstadt beteiligt waren. Dazwischen ein paar eher unauffälige Bürgerinnen und Bürger, von denen viele allerdings gleichzeitig zu den Anhängern der Facebookseite der »Bürgerinitiative für Sicherheit in Braunschweig« gehören, die seit einigen Wochen versucht in Stimmung gegen die aus der zu machen.

Vom Netz in die Öffentlichkeit

Bis auf das Verteilen von Flugblättern der »« und dem Besuch einer KITA haben die Neonazis außerhalb von Facebook mit ihrer »Bürgerinitiative« bisher allerdings keine wahrnehmbaren Aktivitäten entfalten können. Die Unterstützung, die sie auf ihrer Facebook-Seite auch von einigen Anwohnerinnen erhalten, konnte von ihnen bisher nicht in gemeinsame öffentliche Auftritte oder Protestversammlungen gegen Flüchtlinge umgesetzt werden. So blieb die »Bürgerinitiative« sowohl einer Veranstaltung verschiedener Parteien und Organisationen fern, die zur Diskussion über die Situation der Flüchtlinge ins Karl-Jasper-Haus in der Schunteraue eingeladen hatte, als auch der Stadtbezirksratssitzung  am gestrigen Donnerstag, im Kleingartenverein Kralenriede e.V., wo das Thema „Flüchtlinge“ ebenfalls auf der Tagesordnung stand. Auch die Zahl der Braunschweiger, die sich an der »HogeSa«-Kundgebung am letzten Wochenende in Hannover, blieb zum Leidwesen der Braunschweiger Neonazis eher gering. Zwischen einem schnellen „Gefällt-mir“-Klick und der tatsächlichen Teilnahme an entsprechenden Aktivitäten und Protesten ist es  für viele der rechtspopulistischen „Wutbürger 2.0“ und rechten Hoooligans und Fußballfans dann offensichtlich doch noch ein zu großer Schritt. Auch wenn die Mobiliserungserfolge der Braunschweiger Neonazis und »HogeSa«-Anhänger hier noch sehr gering sind, sollte die Entwicklung weiter aufmerksam beobachtet werden. Auch in Dresden wurden die anfänglichen Aktivitäten der PEGIDA von der Stadtverwaltung, der Politik und der Öffentlichkeit zu erst nicht sonderlich ernst genommen – bis dann plötzlich tausende auf den Straßen waren.

Bericht des MDR über die Aktivitäten von PEGIDA in Dresden: