BRAGIDA und die Neonazis: Was macht der Sohn der Sprecherin beim Infoabend von »Die Rechte«?

Lukas Müller, Sohn der BRAGIDA-Sprecherin zusammen mit Michael und Tajana Berner von der neonazistischen Partei »Die Rechte«. Foto: recherche-nord.com
, Sohn der BRAGIDA-Sprecherin, zusammen mit Michael und von der neonazistischen Partei »Die Rechte« bei der -Versammlung am 15.11.2014 in Hannover. Foto: recherche-nord.com

Es ist Woche für Woche immer die gleiche Leier: Immer wenn über die agressiven Neonazis berichtet wird, die bei BRAGIDA jedesmal in großer Zahl mitmarschieren, kommt hinterher die halbherzige Distanzierung von BRAGIDA-Sprecherin Tina Müller: Man wolle die Neonazis gar nicht dabei haben, könne aber nicht verhindern dass diese dort erscheinen, zumal man diese nicht einmal kennen würde. Und auch die Ankündigungen, dass das Sicherheitskonzept überarbeitet werde und die Ordner beim nächsten Mal dann wirklich die Teilnehmer aus der rechten Szene ausschließen würden, erweisen sich Woche für Woche wieder nur als leere Worte. Wird da eine Überforderung und Hilflosigkeit der BRAGIDA-Organisatoren und ihrer Ordner im Umgang mit den Neonazis deutlich oder gibt es auch jenseits ideologischer Überschneidungen vielleicht doch mehr Berührungspunkte zur rechten Szene als BRAGIDA öffentlich eingestehen möchte?

Der Sohn bei den Neonazis?

Wenn Frau Müller wirklich wissen möchte, wer diese Neonazis sind, die da mit ihr zusammen durch die Innenstadt marschieren, dann bräuchte sie eigentlich nur ihren Sohn zu fragen. Denn Lukas Müller, der selbst mehrmals bei BRAGIDA als Ordner eingesetzt war, scheint zumindest einige der Köpfe aus der rechten Szene zu kennen: Fotos (siehe Bildergallerie am Ende des Artikels) die recherche38 zugespielt wurden, zeigen ihn zum Beispiel am Treffpunkt einer konspirativen Zusammenkunft der neonazistischen Partei »Die Rechte«. Diese hatte für den letzten Samstag, den 21. Februar,  per Facebook zu einem „Infoabend“ eingeladen. Wer Interesse an der Teilnahme zeigte, erhielt zwei Stunden vor Beginn einen persönliche Nachricht sich im Zeitraum zwischen 17:00 und 17.15 Uhr vor dem „Indoor Center“ in der Marienbergerstraße in Braunschweig einzufinden. Am vereinbarten Treffpunkt hatten sich zu dieser Uhrzeit dann etwa ein Dutzend Mitglieder und Sympathisanten der Partei eingefunden. Auf den Fotos ist in Mitten der Neonazis auch Lukas Müller zu erkennen.

Und nicht nur das: Lukas Müller war zum Beispiel auch zusammen mit einer Gruppe von Neonazis und rechten Hools aus der Region Braunschweig bei der Kundgebung der » gegen Salafisten» (HOGESA) am 15.11.2014 in Hannover. Auf Fotos von recherche-nord ist er dort zusammen mit Tatjana und und weiteren Neonazis aus dem Kreis von »Die Rechte« und der -Jugendorganisation »JN« zu sehen. Die meisten Neonazis und Hools aus der Gruppe waren im übrigen auch am letzten Sonntag, den 22.02.2015, bei der Versammlung von BRAGIDA wieder mit dabei.

Vom Verbot bedroht: Die Partei »Die Rechte«

Die Partei »Die Rechte«, die 2012 vom Hamburger Neonazi und ehemaligen Mitgliedern der DVU gegründet wurde, ist vor allem im Ruhgebiet beheimatet. Dort diente sie als Auffangbecken von Neonazis aus verbotenen Kameradschaften. Nach Angaben von Spiegel Online prüfen die Behörden derzeit ein Verbot der Partei und sammeln Hinweise auf eine agressive Verfassungsfeindlichkeit.

Auch in der Region Braunschweig kommen die Mitglieder der Partei aus neonazistischen Kameradschaften und Aktionsgruppen, wie der aufgelösten »Aktionsgruppe 38« oder »Honour & Pride Niedersachsen«. Vorsitzender des „Kreisverbandes Braunschweiger Land“ ist Michael Berner. Er und seine Frau Tatjana sitzen außerdem im Bundesvorstand der Partei. Beim BRAGIDA-Marsch am letzten Sonntag waren dann auch wieder zahlreiche Mitglieder und Anhänger der Partei mit dabei. Einige waren extra dafür von weit her angereist, wie zum Beispiel der Wuppertaler Paul Breuer. Über ihn schreibt der sozialdemokratische Infodienst blick nach rechts: „Breuer muss sich derzeit in Koblenz im Mammutverfahren gegen Mitglieder des als kriminelle Vereinigung eingestuften ‚Aktionsbüros Mittelrhein‘ (ABM) verantworten und saß vor Jahren schon wegen eines Körperverletzungsdeliktes ein.

Auch in der Region zeigen sich die Mitglieder der Partei als eingefleischte Neonazis. So feiert man den Geburtstag von Adolf Hilter, oder besucht Konzerte, bei denen Hitlergrüße und NS-Parolen zum guten Ton gehören. Eng verbunden sind die Mitglieder der Partei auch mit »Honour & Pride« und dem in Deutschland verbotenen internationalen Rechtsrocknetzwerk »Blood & Honour«.

BRAGIDA-Ordner bei der NPD

Aber Lukas Müller ist nicht der einizige Ordner mit einschlägigen Kontakten in die Neonazi-Szene. Am letzten Montag war beispielsweise auch als Ordner eingesetzt. Er war in der Vergangenheit mehrmals Teilnehmer bei Wahlkampfversammlungen der NPD oder Naziaufmärschen, wie am 4. Juni 2011 beim sogenannten „Tag der deutschen Zukunft“ in Braunschweig/Peine.

Und Tina Müller?

Das Verhältnis von Tina Müller zu den Neonazis scheint dann auch nicht so distanziert zu sein, wie sie es immer darstellt. Die Braunschweiger Zeitung berichtet in ihrer heutigen Ausgabe jedenfalls, dass die Polizei mitgeteilt habe, dass die BRAGIDA-Sprecherin am Sonntag „Demonstrations-Teilnehmer aus der rechtsextremen Szene am Bahnhof begrüßt und am Abend dort auch verabschiedet haben soll. ‚Unsere szenekundigen Beamten haben dies beobachtet, daran gibt es keinen Zweifel. Sie hält eindeutig Kontakt zu diesen Kreisen‘, so Polizeisprecher Grande.“ Tina Müller bestreitet inzwischen diese Vorwürfe und hat mitgeteilt, dass sie Polizeisprecher Grande und einen Journalisten der Braunschweiger Zeitung wegen Verleumdung angezeigt habe. Sie sei nicht am Bahnhof gewesen und kenne keine Personen der „rechtsextremen Szene„.

Ergänzung: Die Polizei hat heute (02.03.2015) mitgeteilt, dass „nach nochmaligen intensiven Prüfungen heute festgestellt“ wurde, dass „die Behauptung der Bragida-Sprecherin Christina Müller richtig ist, sie sei nicht am Braunschweiger Hauptbahnhof gewesen und habe dort keine Kontakte zu Personen der rechtsextremen Szene gehabt … Erneute Prüfungen führten nun zum Ergebnis, dass es sich bei der angeblichen Bragida-Sprecherin am Bahnhof doch um eine andere Person gehandelt hatte. Die Polizei entschuldigte sich bei Frau Müller für diesen Fehler umgehend.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.