Johannes Welge am 19.10.2015 bei einer BRAGIDA-Versammlung. Foto: DokuRechts

Weggang oder Rauswurf? Johannes Welge verläßt »Die Rechte«

Es zeichnete sich schon etwas länger ab, doch jetzt ist es „amtlich“: , noch bis vor kurzem Vorsitzender des Hildesheimer Kreisverbandes der neonazistischen Partei »Die Rechte« ist nach Mitteilung der Partei am 1.12.2015 ausgetreten. Allerdings wohl nicht ganz freiwillig: Der Kreisverband spricht von einer Reihe „persönlicher Verfehlungen“ und einer „zunehemenden Distanz“ der Mehrheit des Kreisverbandes zu ihm.

Alkoholexzesse, Rosenkrieg und Schlägereien

Schon am 1. November hatte Welge aus „persönlichen“ Gründen seinen Rücktritt als Kreisvorsitzender angekündigt und war nicht mehr zur Neuwahl des Kreisvorstandes angetreten. Vor einigen Tagen, am 25. November, war dann auf der Facebookseite vom Hildesheimer Kreisverband die Frage zu lesen, warum in den eigenen Reihen „immer noch Leute geduldet“ werden, die „charakterlich, von ihren Handlungen her und auch schon von ihrem miesen Auftreten her unserer Weltanschauung völlig widersprechen?„. Auch wenn es die Spatzen schon von den Dächern zwitscherten, vermied man es da noch offen zu bennen, wer und was gemeint war. Dabei machen schon seit Wochen allerlei Gerüchte über Streit und Zwist die Runde: Von außerehelichen Eskapaden und dem darauf folgenden Rosenkrieg eines frisch vermählten Ehepaares, von alkoholbedingten Ausfällen und Schlägereien untereinander und vom Mobbing eines Sympathisanten, dessen bisexuelle Orientierung bekannt wurde, war da zum Beispiel die Rede. Statt der gerne nach außen hochgehaltenen „Kameradschaft“ herrscht auch in der rechten Szene oft eher das Hauen und Stechen von Selbstdarstellern und Egomanen, die alle am liebsten Mal den „Führer“ spielen wollen. Auch hierarchisierte Machstrukturen, Sexismus und archaische Vorstellungen von „Ehre“ und „Männlichkeit“ gehören zu Auslösern gruppeninterner psychischer und physischer Gewalt – nicht selten befördert durch exzessiven Drogen- und Alkoholkonsum.

Anklage wegen „Volksverhetzung“

Überraschend kam der nun erfolgte Austritt von Welge nicht: Schon vor ein paar Tagen war Welge bereits aus dem Kreisverband geflogen, blieb aber noch Mitglied der Partei.

Neben dem jetzt mehr oder weniger erzwungenen Parteiaustritt droht Welge weiteres Ungemach: die Staatsanwaltschaft Hildesheim hat Anklage gegen den 28-jährigen erhoben. Ihm wird vorgeworfen am 8. Mai 2015 bei einem „Heldengedenken“ in Hildesheim die Worte: „Ich rufe die Angehörigen der ersten europäischen Befreiungsarmee – unserer Waffen-SS“ gesagt zu haben, worauf die versammelten Neonazis mit „Hier“ geantwortet hätten. Die Staatsanwaltschaft sieht darin den Straftatbestand der „Volksverhetzung“ erfüllt.

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