Die Sonnenstrasse in Braunschweig.

Neonazitreff in der Sonnenstrasse: Auf dem Weg zu einer neuen „Kameradschaft“?

In den letzten Wochen fanden in der Sonnenstrasse 3 in Braunschweig regelmäßig Treffen, „Kameradschaftsabende“ und Partys der rechten Szene statt. Eingeladen dazu hatte Johannes Welge, der ehemalige Hildesheimer Kreisvorsitzende der Partei »Die Rechte«, der jetzt – mehr oder weniger unfreiwillig – der Partei den Rücken gekehrt hat. Unter anderem sollen Gewaltausbrüche unter Drogen- und Alkoholeinfluß, die sich auch gegen die eigenen Leute richteten, einer der Gründe dafür gewesen sein, dass sich seine ehemaligen „Kameraden“ nun von ihm abgewendet haben.  Welge, der vor einiger Zeit mit seiner Familie von Braunschweig in den Landkreis Hildesheim gezogen ist, hat sich in den letzten Wochen wieder häufiger in Braunschweig aufgehalten. Das Wohnhaus in der Sonnenstrasse 3, das von Welge verwaltet wird, diente dem Neonazi auch schon früher als Versammlungsort: Zunächst fanden dort Treffen der »Aktionsgruppe 38« statt, dann Parteiveranstaltungen des aus der Gruppe hervorgegangenen „Kreisverbandes Braunschweiger Land“ der Partei »Die Rechte«.

Eine „Kameradschaft“ in Gründung?

Johannes Welge am 20.10.2015 bei BRAGIDA. Foto: DokuRechts
Johannes Welge am 20.10.2015 bei . Foto: DokuRechts

Nach uns vorliegenden Informationen dienen die jetzigen Treffen in der Sonnenstrasse 3 der Gründung einer neuen „Aktionsgruppe“ oder „Kameradschaft“. Angesichts der sich zuspitzenden Streitereien um seine Person innerhalb des Hildesheimer Kreisverbandes der Partei »Die Rechte« hat sich Welge in Braunschweig in den letzten Wochen so bereits ein neues Betätigungsfeld aufgebaut. Unter den Gästen der Treffen und Partys der letzten Wochen in der Sonnenstrasse waren Mitglieder und ehemalige Mitglieder des Braunschweiger Kreisverbandes der Partei »Die Rechte«, wie z.B. und , der zuletzt vor allem als Anhänger der -Abspaltung »« um auftrat, aber auch von der »JN Braunschweig« wurde dort gesehen. Außerdem waren auch jüngere Anhänger von BRAGIDA unter den Gästen. So trafen sich z.B. nach der abgebrochenen Rede von Johannes Welge auf der BRAGIDA-Versammlung am 20.10.2015 eine handvoll Teilnehmer um Nina Richter und an der Sonnenstrasse. Die eher jüngeren BRAGIDA-Anhänger stehen inzwischen im engeren Kontakt zu den bekannten Aktivisten der »Jungen Nationaldemokraten« (JN) und der »Rechten« und nehmen auch ab und an an neonazistischen Versammlungen teil.

Konkurrenz oder Ergänzung zur JN?

Nina richter (rechts) bei einem Aufmarsch der Partei »Die Rechte« am 28.02.2015 in Hildesheim. Foto: recherche-nord
Nina Richter (rechts) bei einem Aufmarsch der Partei »Die Rechte« am 28.02.2015 in Hildesheim. Foto: recherche-nord

Nach dem Wegzug von Johannes Welge in den Landkreis Hildesheim, dem Rausschmiß von Tatjana Berner aus der Partei »Die Rechte« wegen Unterschlagung von Geldern und dem Ausstieg von Michael Berner, lag die Parteiarbeit in Braunschweig am Boden. Davon profitierte vor allem die »JN Braunschweig«, die sich im August 2014 gründete und schon zuvor auch ehemalige Mitglieder der »Rechten«, wie , für sich gewinnen konnte. Vor allem für jüngere „Nachwuchsnazis“ war die JN in den letzten Monaten ein Orientierungspunkt. So konnte die JN  ein paar neue Anhänger gewinnen, die bisher allerdings noch kaum öffentlich in Erscheinung getreten sind.

Die Gründung einer neuen Neonazi-Gruppe dürfte also bei der JN auf zwiespältige Gefühle treffen. Auf der einen Seite entsteht ihr so eine neue Konkurrenz, auf der anderen Seite dürfte die JN aber durchaus auch froh darüber sein, das Welges neue Truppe vor allem für diejenigen attraktiv sein dürfte, die eher auf rechte Subkultur vermischt mit politischem Aktionismus stehen. Die sich mehr von Partys und Alkoholgelagen angezogen fühlen, als vom Anspruch der JN als elitäre Kaderschmiede, die vor allem durch politische Schulungen und der Propagierung einer „völkischen Lebensweise“ versucht zuverlässige und geschulte Aktivisten hervorzubringen. Auf den „Pöbel“, den die Partei »Die Rechte« und die subkulturellorientierte Neonazi-Szene nach Meinung der JN anzieht, greift man zwar gerne zurück, um überhaupt aktionsfähig zu sein, schaut aber eigentlich mit Verachtung auf die „Rauf- und Saufnazis“, die dem Bild des „politischen Soldaten“ wiedersprechen, den die JN selbst so gern verköpern möchte.

Ob es Welge nach seinem Rauswurf aus der Partei allerdings gelingen wird tatsächlich eine neue „Kameradschaft“ auf die Beine zu stellen, oder ob sich auch hier seine „Kameraden“ schnell wieder abwenden werden, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

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