Rechte Allianzen: JN-Aktivist sammelt Unterstützungsunterschriften für den Wahlantritt der AfD

Sebastian Weigler, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des »Stützpunktes Braunschweig« der -Jugendorganisation »Junge Nationaldemokraten« (JN), fragt derzeit per Facebook (wo er sich unter anderem „Sebastian Wendler“ nennt) Anhänger und Bekannte aus der Neonazi-Szene, ob sie bereit wären für „die zum Wahlantritt zu unterschreiben“. Die AfD sei zwar „nicht die endgültige Lösung“ schreibt der Neonazi, aber nach der „Säuberung und Trennung von den liberalen Spinnern rund um Lucke wäre die AfD ein starker Schritt in die richtige Richtung“. Für die Neonazi-Szene sieht Weigler einen Einzug der AfD in den Braunschweiger Rat als vorteilhaft an: „10-15% sind für die AfD auch vor Ort drinne, was für uns sicherlich nicht von Nachteil sein wird!

Schon länger sucht der lokale Nachwuchs der NPD den Kontakt zur AfD und insbesondere zu deren Jugendorganisation, »Junge Alternative« (JA). So sollen Aktivisten der JN bereits mehrmals an den öffentlichen „Bürgerforen“ des AfD Kreisverbandes Braunschweig teilgenommen haben. Als beim letzten „Bürgerforum“ am 26.6.23016 im städtischen Gemeinschaftshaus Broitzem, der AfD-Landesvorsitzende zum Thema „Wofür steht die AfD?“ sprach, gab es Lob aus den Reihen der JN: Bei Facebook kommentierte „Christian Waltes“ einen Bericht über das „Bürgerforum“ mit den Worten: „Es war eine schöne Veranstaltung, mich hat ihr Kreisverband sowie die merklich antiliberale Einstellung des AfD Vorsitzenden Niedersachsens sehr positiv überrascht. Ich hoffe, dass sie seine Linie, bzw. die konservative Linie Höckes in der AfD verfolgen und ihr treu bleiben. Ich werde die AfD definitiv wählen und mich in meinem Wahlbezirk dafür einsetzen, dass es keine ‚Unregelmäßigkeiten‘ bei der Stimmauszählung gibt.“

Hinter dem Profil mit dem Pseudonym „Christian Waltes“ steckt der 17-jährige . Richei ist Mitglied der »Jungen Nationaldemokraten« und war unter anderem mit dabei, als der 24jährige , der derzeit in Untersuchungshaft sitzt, am Gymnasium »Neue Oberschule« in Braunschweig zwei Schüler attackierte. Auch „Sebastian Odal“, anhand des Profilbild unschwer als Sebastian Weigler zu erkennen, bekundete bei Facebook bereits die Teilnahme an einem „Bürgerforum“ und hinterließ einem „Gefällt mir“-Klick auf der Facebook-Seite des AfD-Kreisverband.

Die »Junge Alternative«: Scharnier zwischen AfD, Identitären und Neonazis

Als Scharnier zwischen der AfD, rechtskonservativen und extrem rechten Burschenschschaftlern, der »Identitären Bewegung« und den Neonazis der »Jungen Nationaldemokraten« spielt der Bezirksverband Braunschweig der »Jungen Alternative« (JA) eine besondere Rolle. Dem Bezirksvorsitzenden Lars Steinke, einem Göttinger Studenten und aktivem Burschen bei der dortigen »Burschenschaft Hannovera« werden selbst aus Kreisen der AfD Verstrickungen in die Neonaziszene und in die »Identitäre Bewegung« vorgeworfen: Als bekannt wurde, dass Steinke Anmelder der „Mahnwachen“ des »Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen« war und eine Veranstaltung mit Martin Sellner von der »Identitäre Bewegung Österreich« (IBÖ) plante, erteilte im der Northeimer Kreisverband der AfD gar ein Hausverbot und diskutierte ein Parteiausschlussverfahren. Die Kundgebungen des »Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen« sind vor allem geprägt durch Neonazis aus Südostniedersachsen und Thüringen. Auch Sebastian Weigler und seine Lebensgefährtin Jasmin Triebel, die ebenfalls bei der JN aktiv ist, nahmen bereits an Versammlungen des »Freundeskreis« teil (siehe Foto vom 5.3.2016 in Bad Lauterberg).

Ein Stelldichein auf dem Haus der »«

Wie gut sich der lokale Nachwuchs der NPD mit der AfD-Jugend und der »Identitären Bewegung« (IB) versteht, zeigte auch eine gemeinsam besuchte Veranstaltung auf dem Haus der Braunschweiger »Burschenschaft Thuringia«: Diese hatte für den 4. Juni 2016 zu einem „Zeitzeugenvortrag“ geladen. Die Ankündigung auf Facebook war eher recht dürftig ausgefallen: „Die Möglichkeiten Erfahrungsberichte aus erster Hand zu hören werden immer weniger, daher sollte die Zeit für solch einen Vortrag gefunden werden“ hieß es dort. Wohlweislich wurde der Vortragende nicht namentlich genannt, lediglich von einem „Veteranen des zweiten Weltkrieges“ war da die Rede. Bei dem eingeladenen „Veteranen“ soll es sich um einen ehemaligen Angehörigen einer „SS-Freiwilligen-Division“ gehandelt haben.

Neben den einladenden Thuringen, waren auch ein paar Burschen und Alte Herren von Verbindungen aus anderen Städten sowie fast die gesamte Aktivitas der benachbarten »Burschenschaft Germania« anwesend. Vor der Tür begrüßten sich Aktivisten der »JN Braunschweig«, der »Identitären Bewegung« und der »Jungen Alternative« freundschaftlich mit Handschlag und gingen gemeinsam ins Haus der »Thuringia«. von der IB hatte als Gastgeschenk sogar ein Fass Wolters für den anschließenden Umtrunk mitgebracht, dass er gemeinsam mit von der »Jungen Alternative« ins Haus trug.

Der ausgebildete Mälzer und Brauer Losse gehörte früher zum Kreis der neonazistischen »Aktionsgruppe38« und wechselte dann zur »Identitären Bewegung«. Losse ist nicht nur auf Fotos von Aktionen der »Identitären Bewegung Niedersachsen« zu sehen, sondern auch auf einem Foto eines Stammtisches des Bezirksverband Braunschweig der »Jungen Alternative«, der am 6. Mai 2016 ebenfalls auf dem Haus der »Burschenschaft Thuringia« stattfand. Die »Burschenschaft Thuringia« ist gehört als einzige der Braunschweiger Burschenschaften noch zum strammrechts und völkisch ausgerichteten Dachverband »Deutsche Burschenschaft«.

Patrick Jäcker, Geschäftsführer beim Landhaus Kammerkrug in Salzdahlum, gehört nicht nur zur »Jungen Alternative« sondern ist ebenfalls im Spektrum der IB aktiv. Zusammen mit Lars Steinke und weiteren JA-Anhänger nahm er zum Beispiel am 11.6.2016 an einem IB-Aufmarsch in Wien teil. Die Gruppe, die mit einem Kleinbus von Braunschweig aus angereist war, trugen Fahnen mit den Symbolen der »Identitären Bewegung« mit sich, wie ein von Lars Steinke selbst ins Netz gestelltes Video dokumentiert. Jäcker trat außerdem am 11.4.2016 als Redner beim Braunschweiger PEGIDA-Ableger auf.

Nicht nur Philipp Losse hatte sich für den Besuch des „Zeitzeugenvortrages“ auf dem Haus der »Burschenschaft Thuringia« extra in Schale geworfen, auch von der »JN Braunschweig« hatte die übliche Szenekleidung im Schrank gelassen, sich in einen dunklen Anzug gezwängt und eine Krawatte umgebunden. Nur seine knallroten Turnschuhe passten nicht so ganz zu diesem betont konservativen Auftreten. Hauschild, der wie Losse früher zur »Aktionsgruppe 38« gehörte, war danach bei der Partei »Die Rechte“ aktiv und ging dann zur JN ging. Er war zusammen mit seiner Lebensgefährtin Sina Ipse gekommen, die ebenfalls zum NPD-Nachwuchs gehört.

Distanzierung auf Bundesebene

In den letzten Wochen häuften sich bundesweit Veröffentlichungen in den Medien über die Verstrickungen von Mitgliedern der »Jungen Alternative« mit der »Identitären Bewegung«. Nun haben die beiden JA-Bundesvorsitzenden Sven Tritschler und Markus Frohnmaier laut der Frankfurter Allgemeinen sich von der „fremdenfeindlichen und völkischen ‚Identitären Bewegung Deutschland’ (IDB) distanziert“, da diese inzwischen vom Verfassungsschutzbehörden beobachtet werde.“  Die JA-Bundesvorsitzende Frohmaier missbilligte gegenüber der FAZ ausdrücklich die Teilnahme von „Einzelpersonen“ der »Jungen Alternative« an der bereits erwähnten IB-Demonstration in Wien. Ob der Braunschweiger Bezirksverband sich tatsächlich an die neue Unvereinbarkeitserklärung einer Mitgliedschaft in der »Jungen Alternativen« und der gleichzeitigen Beteiligung an der »Identitären Bewegung« halten wird, ist eher fraglich. Die Unterstützung der Neonazis der »Jungen Nationaldemokraten« für den AfD-Wahlantritt, dürfte den Verantwortlichen der AfD Braunschweig allerdings wohl eher unangenehm sein. Aber auch die Mutterpartei der »Jungen Nationaldemokraten«, die NPD, dürfte über die Unterstützung ihres Nachwuchses für die AfD nicht unbedingt begeistert sein. Immerhin will die NPD nach eigenen Angaben in Niedersachsen selbst zur Kommunalwahl antreten. Vollmundig verkündet man dort, man werde in „deutlich mehr Kommunen“ als im Jahr 2011 kandidieren. Vermutlich wird die NPD in Braunschweig allerdings nicht auf dem Stimmzettel stehen, da diese weder über ausreichend Kandidaten verfügt noch die benötigten Unterstützungsunterschriften zusammenbekommen würde. Selbst innerhalb der JN dürfte der Aufruf von Sebastian Weigler auf Kritik stoßen, denn nur „Spiesser wählen AfD“, heißt es in einem aktuellen Aufruf der JN-Bundesführung auf deren Homepage.

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