Anhänger des »Nationalen Widerstand Niedersachsen Ost« posieren mit Softair-Waffen. Links: Tobi Weiss. Rechts: Francois Schapp. Foto: Screenshot von facebook.com

Salzgitter: Neonazi-Drohungen gegen „Jugendarbeit rockt!“-Konzerte

Man werde den „Antifaschisten einen schönen Empfang“ bereiten, es seien bereits mehrere „Aktionen“ geplant, heißt es großspurig auf der Facebook-Seite des »Nationalen Widerstand Niedersachsen Ost« (NWNO). Anlass der Drohungen ist eine Konzertreihe unter dem Motto „Jugendarbeit rockt!“ im Forellenhof in Salzgitter. Veranstalter ist das »Bezirksjugendwerk der AWO Braunschweig«, dass mit der Konzertreihe „Jugendarbeit und ehrenamtliches Engagement“ stärken möchte.

Weil bei den Konzerten u.a. auch Spenden für das Braunschweiger »Bündnis gegen Rechts« gesammelt werden und die Hardcore-Konzertinitiative »Heart & Passion« mit dabei ist, die sich gegen Rassismus, Faschismus, Homophobie und Sexismus engagiert, sehen die Neonazis die Konzerte offensichtlich als Veranstaltungen der „Antifa“ an.

Ernste Drohungen oder Maulheldentum?

»Nationaler Widerstand Niedersachsen Ost«
Revolutiönäre Phrasen und der Traum von einem „Grossdeutschen Reich“ beim NWNO.

Wie ernst diese Drohungen allerdings zu nehmen sind, ist fraglich: Hinter der nach eigenen Angaben erst am 15. Juli diesen Jahres gegründeten Gruppierung »Nationaler Widerstand Niedersachsen Ost« steckt nach bisherigen Erkenntnissen kaum mehr als eine handvoll Neonazis vor allem aus der Region Salzgitter. Ziel des NWNO ist es nach eigener Aussage „ein Zeichen gegen diese Volksfeindliche Politik in Niedersachsen zu setzen“ und „die Bürger aufzuklären, volksfeindliche Politik zu stoppen und die Jugend in eine patriotische Zukunft zu lenken.

Bisher hat sich der NWNO allerdings eher durch verbalradikale Drohungen und Ankündigungen im Internet hervorgetan, als durch eine tatsächliche Mobilisierungsfähigkeit und der Organisation politischer Aktivitäten. So ist der NWNO auch innerhalb der Neonazi-Szene nicht unumstritten und gilt manchem Aktivisten eher als peinliche „Trümmertruppe“, denn als erstzunehmende »Kameradschaft«.

Schon die Texte des NWNO auf ihrer Facebook-Seite und Homepage klingen durch die vielen sprachlichen und grammatikalischen Fehler so, als ob sie von Jemanden mit nur rudimentären Deutschkenntnissen verfasst worden wären. Da dürfte es jedem, der meint die „deutsche Kultur und Sprache“ retten zu müssen, beim Lesen vermutlich Angst und Bange über die „patriotische Zukunft“ werden.

Facebook, Nazipartys, Gewalt und Schmierereien

Mit Papiertüte vermummt: Martin Stiebeler zeigt den verbotenen "Kühnen"-Gruß. Foto: Scrennshot facebook.com
Mit Papiertüte vermummt: Martin Stiebeler im T-Shirt des NWNO zeigt den verbotenen „Kühnen“-Gruß. Foto: Screenshot facebook.com

Bisher gab es nicht viele wahrnehmbare Aktivitäten des NWNO außerhalb des Internet. Eine erste Seite des NWNO bei Facebook wurde dort bereits wegen „Hassrede“ gelöscht. Da man nun „nicht von einer Jüdischen Plattform abhängig“ sein wolle hat der NWNO kürzlich auch eine Homepage erstellt.

Im Sommer soll der NWNO einen Grillabend mit Live-Musik durchgeführt haben, bei dem u.a. die Rechtsrock-Band »Randgruppe Deutsch« gespielt haben soll. Vermehrt sind in Salzgitter außerdem Hakenkreuz-Schmierereien, aber auch das mit Schablone gesprühte Kürzel des NWNO, aufgetaucht. Dabei soll nach eigenen Angaben des NWNO ein „junger Aktivist mit Spraydosen und Schablonen auf dem Nachhausweg“ von der Polizei gefasst worden sein. Die Polizei soll daraufhin mehrere Hausdurchsuchungen durchgeführt haben, weshalb nun „zig Aktivisten Angeklagt“ seien. Im Stadtpark von Salzgitter-Lebenstedt patrouillieren die Neonazis nach eigenen Angaben regelmäßig im Stil einer »Bürgerwehr« um dort gegen vorzugehen, denen sie sexuelle Belästigungen vorwerfen.

Bei facebook zeigt
Bei Facebook zeigt der NWNO-Anhänger Sympathien für das verbotene Rechtsrocknetzwerk »Blood & Honour«. Foto: Screenshot von facebook.com

In Braunschweig griff am 23. Juli 2016 eine Gruppe von Anhängern des NWNO eine Gruppe Punker am Bahnhof an. Laut NWNO hätte man da „15 Antifaschisten“ zu „einem Kampf herausgefordert“. Die herbeigerufene Polizei hätte allerdings die Personalien der Neonazis kontrolliert und „8 Aktivisten einen Platzverweis für die komplette Innenstadt in Braunschweig“ erteilt.

Im August teilte der NWNO über seine Facebook-Seite allem „Kameraden aus Niedersachsen/Ost“ mit, das am Wochenende „sämtliche Nationalisten öffentliche Orte säubern und Flagge“ zeigen würden. Es werde eine „große Säuberungsaktion in Niedersachsen“ geben, den genauen Ort werde man aber „nur an vertraute Personen“ mitteilen. Es würde „eine große Aktion“ in einer Stadt und mehrere „kleinere Aktionen“ in anderen Städten geben. Allerdings blieb es auch hier offensichtlich nur bei der großspurigen Ankündigung. Berichte über entsprechende Aktionen gab es keine.

Wer steckt hinter dem NWNO?

Von links nach rechts: Bruce Kevin Bullinger, Francois Schapp, Tobi Weiss und Martin Stiebeler. Foto: Screenshot von facebook.com
Von links nach rechts: , Francois Schapp, und Martin Stiebeler. Foto: Screenshot von facebook.com

Zu den „Köpfen“ des NWNO gehört der Neonazi Martin Stiebeler sowie Bruce Kevin Bullinger, der vor kurzem nach Salzgitter gezogen ist. Der junge Neonazi versuchte bereits Anfang 2015 in Hameln eine Demonstration des dortigen PEGIDA-Ablegers HAMGIDA zu organisieren. Allerdings scheiterte dies – nach großspuriger Ankündigung im Internet – kläglich und Bullinger zog seine Versammlungsanmeldung kurzfristig zurück. Danach beteiligte er sich immer wieder an den „Spaziergängen“ von in Braunschweig und HAGIDA in Hannover und nahm an diversen Neonaziaufmärschen teil. Zwischenzeitlich soll Bullinger auch in Dortmund gewohnt haben.

Mit beim NWNO dabei ist auch ein weiterer bekannter Teilnehmer der BRAGIDA-Spaziergänge: Tobi Weiss. Weiss ist Anhänger der -Abspaltung »« und soll außerdem für die Facebook-Seite »Salzgitter wehrt sich« verantwortlich sein. Auf einem Bild bei Facebook posiert er martialisch halb vermummt mit Softair-Waffen zusammen mit Francois Schapp, der ebenfalls dem NWNO zugerechnet werden kann. Die Faceboook-Seite »Perlen der BRAGIDA« veröffentlichte im Oktober 2015 einen Screenshot der Facebok-Seite von Tobi Weiss, auf dem ihm unter anderen mit einer Hakenkreuz-Fahne zum Geburtstag gratuliert wurde Außerdem sollen Markus Jäkel, und Benjamin Baginski, der zum Braunschweiger Kreisverband der Neonazi-Partei „Die Rechte“ gehörte und den »Freien Kräfte Gifhorn« zugerechnet werden kann, im engeren Kontakt mit den Aktivisten des NWNO stehen.

 

Markus Jäkel und Bruce Kevin Bullinger zusammen mit Johannes Welge (ehemals »Die Rechte Hildesheim«) und Julian F. Foto: Screenshot facebook.com
Markus Jäkel und Bruce Kevin Bullinger zusammen mit (ehemals »Die Rechte Hildesheim«) und Julian F. Foto: Screenshot facebook.com

Hinter dem NWNO stecken also bisher kaum mehr als eine handvoll Neonazis, die allerdings wohl auf weiteren Zuwachs hoffen: Mitte September verkündete der NWNO auf seiner Facebook-Seite, dass „derzeitig 2 Aktivisten aus Halberstadt“ dabei wären nach Salzgitter zu ziehen. Außerdem sei ein „Aktivist“ aus NRW dabei sich dem NWNO anzuschließen. Vollmundig verspricht man „Arbeitsplätze, Unterkünfte etc.“ die man an Neonazis „verteilen“ werde, wenn sie nach Salzgitter ziehen würden.

Rocken für eine bessere Welt

Das Bezirksjugendwerk der AWO hat auf die Drohungen mit einer deutlichen Stellungnahme reagiert:

Wir sind schockiert und betroffen! Wir veranstalten Benefiz-Konzerte unter dem Motto ‚Jugendarbeit rockt!’ zu Gunsten der Hardcore Help Foundation und des Bündnis gegen Rechts Braunschweig, dem wir auch selbst angehören. Das Bezirksjugendwerk der AWO Braunschweig e.V. steht für Toleranz, Emanzipation und eine offene Welt. Wir verurteilen Faschistisches Gedankengut, nationalistische Einstellungen und engagieren uns aktiv in der Flüchtlingshilfe vor Ort. Alle Veranstaltungen, das Herbst-Event inklusive der drei Konzerte, werden stattfinden. Wir geben unser Recht auf freie Meinungsäußerung nicht auf, nur weil wir unter anderem vom NWNO (Nationalistischer Widerstand Niedersachsen Ost) bedroht werden (…) Die Polizei Salzgitter und auch die Stadtverwaltung sind informiert und nehmen die Drohungen ernst. Wir können derzeit nicht abschätzen, ob es sich um eine reelle Bedrohung handelt, oder ‚nur’ um eine Erscheinung im Internet. Das Sicherheitspersonal vor Ort wird erhöht und auch die Polizei wird vor Ort sein (…)

Nichts desto trotz sollten wir nicht den eigentlichen Sinn der Veranstaltung vergessen, nämlich Jugendarbeit und ehrenamtliches Engagement zu stärken! Ziel soll es sein, neben dem Spendensammeln für die Arbeit gegen Rechts, die Arbeit der JugendleiterInnen da draußen zu würdigen, die Ihren ganz persönlichen Beitrag für mehr Gerechtigkeit und Spaß im Leben leisten! Wir wollen rocken, und das buchstäblich, denn wir rocken so viel, sei es als Betreuer auf Ferienfreizeiten zu fahren, den örtlichen Jugendtreff zu unterstützen oder wie auch immer dafür zu sorgen, dass die Kids in einer schöneren Welt aufwachsen können. Das rocken wir mit allen Menschen die Lust haben das mit uns auf 3 Konzerten zu feiern!

Wir bleiben weiter stark entschlossen, die Welt durch unsere Kinder- und Jugendarbeit dahingehen zu verändern, Selbstbestimmtheit und Emanzipation junger Menschen voran zu treiben, um hoffentlich irgendwann, egal welche Hautfarbe wir haben, welcher Religion wir angehören, wie wir uns sexuell orientieren, welches Geschlecht wir haben, irgendwann in Frieden zu leben.

UPDATE: Statt den großspurig angekündigten „Aktionen“ erschienen am 4. Oktober lediglich 7 Neonazis, die eine   „Mahnwache“ auf einer Brücke im Park hinter dem JZ Forellenhof in Salzgitter-Lebenstedt abhalten wollten. Nach wenigen Minuten erteilte ihnen die Polizei Platzverweise, da rund 50 GegendemonstrantInnen auf sie zugingen und „Nazis verpißt Euch!“ riefen.

10 Kommentare

  1. Hahaha da ist ja wirklich die komplette regionale Fascho Unterschicht dabei. Fehlt nur noch Alki Riefling 😂

  2. Was für Versager und hat mich dann auch überhaupt nicht gewundert den versoffenen Welge auf einem der Bilder zu sehen.

  3. Der Bullinger ist der letzte Schwätzer, noch nie wirklich was auf die Beine gestellt, aber im Internet da reißt er sein braunes Maul auf. Passend hierzu, ist er jetzt wohl ziemlich dicke mit Welge. Zwei Lebensversager und Faschisten die bei den „großen“ Nazis nicht mehr mitspielen dürfen, sich aber verzweifel an die Ideologie klammern, da sie sonst nichts haben. Wahrscheinlich schrubben sich die beiden noch einen auf diesen Artikel hier, denn so werden sie wenigstens nicht ganz vergessen.

  4. Das sind Paintball Waffen
    Und keine Softair Waffen!!

  5. Alles Internetfaschos, aber schön, dass ihr trotzdem drüber berichtet.

  6. 7 Faschisten waren da, und haben sich schnell wieder verpisst. Große Fresse nichts dahinter

  7. Wieso werden hier bestimmte Kommentare über Welge nicht freigeschaltet?

    • Einige Kommentare waren hier so niveaulos, dass sie wohl eher von Neonazis selbst kommen. Es scheint so, dass die eigene Szene sich sehr stark über seinen Lebenswandel aufregt, weil er ihren völkischen Moralvorstellungen entgegensteht. Uns ist ziemlich egal, welche sexuellen Vorlieben jemand hat und wie er seine Beziehungen lebt. Das die Neonazi-Szene ihre eigenen Ansprüche an „Moral“, „Ehre“, „Kameradschaft“, „Familie“ etc. selbst nicht erfüllt, ist ja auch nichts Neues.

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