Ein »Hammerskin« an der Club-Tür

Freitagnacht auf der Braunschweiger Partymeile: Aus einem der Clubs dringt Musik von HipHop über Alternative bis Rock. Das Publikum bunt gemischt wie die Musik, viele Studierende, ein paar Hipster. Wer rein will der muss hier heute an einem vorbei. Er wirkt kräftig, eher klein, die Haare kurz geschoren, auffällig bunte Tätowierungen ziehen sich bis über den Hals und die Hände. Was die meisten Besucher*innen wohl kaum ahnen: , der an diesem Abend vor dem einem der Clubs steht, ist Mitglied der »Hammerskins«, einer der „gefährlichsten Neonazi-Organisationen überhaupt“ (ZEIT Online).

Beschwerden über Diskrimierungen

Dennis Kiebitz (2. von rechts) ist bemüht seine Zugehörigkeit zu den »Hammerskins« zu verbergen. Auf dem Foto ist das Patch mit dem Symbol der »Hammerskins« auf seiner Jacke deshalb nachträglich unkenntlich gemacht worden. Zum Vergleich im roten Kreis ein Foto eines Patches der »Hammerskins«.

Bei solch einem Türsteher wundert es nicht, dass bei Facebook eine Bewertung des Clubs, wie die folgende zu finden ist: „Wie kann es sein, dass ein Laden, der sich mit ‚refugees welcome‘ und ‚antifaschista‘ brüstet, eine kleine Gruppe von Flüchtlingen nicht reinlässt, obwohl alle die offiziellen Dokumente dabei haben??!! Ausrede: ‚Sie haben keinen Studentenausweis. Wir sind eine Studentenkneipe.‘ Ich bin seit 10 Jahren keine Studentin mehr und komme immer rein. Ihr seid echt konsequent :/ Das war für mich das letzte Mal bei euch!!“.

Der Neonazi arbeitet auch noch für weitere Clubs, die alle zu einer  Betreibergesellschaft gehören, die zahlreiche weitere Disko und Bars in Braunschweig betreibt. Dazu gehört auch ein Club,  der gerade wieder einmal wegen des Vorwurf diskriminerender Einlasskontrollen in die Schlagzeilen geriet: regionalbraunschweig: „Diskriminierung im ‚Schwanensee‘? Linke beantragen Tests“

[HINWEIS, 12.6.2017: Nach dem bekannt wurde, dass der Türsteher an einem Vorfall im „“ in beteiligt war, bei der eine Gruppe von »Hammerskins« u.a. eine „Reichskriegsflagge“ gezeigt haben, hat der Betreiber ihn entlassen. Siehe dazu unseren Artikel „Neonazi-Randale im ‚Bierkönig‘: Braunschweiger Türsteher mittendrin“ und den Artikel „Braunschweiger Türsteher an Neonazi-Aktion auf Mallorca beteiligt“ der Braunschweiger Zeitung.]

Elitär und militant: Die »Hammerskins«

Kiebitz in einem Shirt, dass ihn als „Prospect of the Nation“ kennzeichnet. Bevor man Mitglied der »Hammerskins«wird, muss man eine Probezeit als Anwärter (engl. Prospect) durchlaufen. Inzwischen dürfte Dennis Kiebitz allerdings Vollmitglied sein.

Die »Hammerskins« sind eine elitäre und konspirativ auftretende  internationale »Bruderschaft« von Neonazis, die ihren Usprung in den USA hat. Die »Hammerskin Nation« verhält sich „besonders konspirativ und ist stramm hierarchisch organisiert“. Die »Hammerskins« sind zutieftst rassistisch, gehören zur »White Power«-Bewegung und treten für eine Vorherrschaft der „Weißen“ ein. Sie sind, ähnlich wie das in Deutschland verbotenen »Blood & Honour«-Netzwerk auch im neonazistischen Musik- und Konzertgeschäft tätig.

Insbesondere in den USA, aber auch in anderen Ländern, sind Mitglieder der »Hammerskins« immer wieder in Gewalttaten bis hin zu Morden verstrickt (siehe: AIB: „Soundtrack zum Rassenkrieg. Amoklauf eines White-Power-Musiker“). Aber auch mit Waffen- und sogar Drogenhandel werden die »Hammerskins« in Verbindung gebracht (siehe: AIB: „Portugal: Hammerskins on drugs“). In Deutschland wird Mitgliedern der »Hammerskins« nachgesagt  in Verbindung mit dem NSU gestanden zu haben (siehe: AIB: „»Hammerskins« – Elitäre Neonazistruktur im Hintergrund“ & Bundeszentrale für politische Bildung: „Hammerskins – Ein militanter Geheimbund“).

Symbol der »Hammerskins« sind zwei gekreuzte Zimmermannshämmer, die aus dem Film „The Wall“ von Pink Floyd übernommen wurden. In der Regel tragen die »Hammerskins« ihre Symbol nur bei internen Treffen und geben „sich auch nicht bei Veranstaltungen anderer Neonazi-Gruppen zu erkennen. Wer Informationen über die Hammerskins preisgibt, gilt als Verräter. Nicht nur Sicherheitsbehörden und politische Gegner, auch Konkurrenten in der Skinheadszene sollen keinen Einblick erhalten.

Auch Dennis Kiebitz ist bemüht seine Aktivitäten und seine Verbindungen im internationalen Netzwerk der »Hammerskins« zu verbergen. Doch im Februar 2013 geriet er in die Schlagzeilen: In Werlaburgdorf im Landkreis Wolfenbüttel flog ein vom ihm organisiertes, als private Feier getarntes, „national officers meeting“ der deutschen „Division“ der »Hammerskins« auf. Die taz berichtete darüber unter dem Titel „Treffen der Hammerskins. Nazi-Bruderschaft aufgeflogen“.

Ein ausführlicher Bericht auf unserer Seite deckte damals weitere Aktivitäten von Dennis Kiebitz auf : „Die »Hammerskins« im Dorfgemeinschaftshaus – Oder: Ein Landleben mit Neonazis“. Im Oktober des gleichen Jahres berichteten wir über seine Teilnahme beim „Buspulling-Wettbewerb“ in Wolfenbüttel.

Ein »Hammerskin« auf Reisen

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Flyer für das »Hammerfest« in Georgia (USA). Kiebitz nahm bereits mehrmals an Konzerten und Treffen der »Hammerskin« in den USA teil.

Kiebitz ist weiterhin aktiv bei den »Hammerskins«, gehört vermutlich zu deren Bremer „Chapter“, nimmt regelmäßig an Treffen teil und fährt zu Neonazi-Konzerten sowohl im In- als auch im Ausland. So flog Kiebitz z.B. am 26. September 2016 nach Atlanta im US-Bundesstaat Georgia. Dort fand wenige Tage später, am 1. Oktober 2016, das jährliche »Hammerfest«, das bedeutenste  internationale Treffen der »Hammerskins«  statt. Angekündigt waren neben einem BBQ, Verkaufständen und einer „Strongmann Competition“, Auftritte der Bands »Definite Hate«, »Beer Hall Putsch«, »Ironwill«, »Hate Your Neighbors«, sowie eine „Überraschungsband“ aus Finnland. Dabei soll es sich um die Band »Mistreat« gehandelt haben, wie die Webseite »Atlanta Antifascists« aufdeckte. Über die Band »Definite Hate« schreibt die Seite: „Definite Hate ist eine langjährige Hammerskin-Band. Der ehemalige Gitarrist der Band, Wade Michael Page“ ist die „Person, die für das Massaker im August 2012  in einem Sikh Tempel in Oak Creek, Wisconsin, verantwortlich ist.“ Die Band »Beer Hall Putsch« aus Idaho hat ihren Namen vom gescheiterten Hitler-Putsch 1923, der seinen Anfang im Münchner »Bürgerbräukeller« hatte. Der Frontmann der Band, Christopher Vertrice Lord, saß laut den »Atlanta Antifascists« Mitte der 1990er Jahre wegen Schüssen auf eine Synagoge in Oregon im Gefängnis.

Dennis Kiebitz beim „Heldengedenken“ am 25. April 2015 in Mailand.

Auch wenn Kiebitz bemüht ist, dass von ihm keine Bilder gemacht werden, die seine Mitgliedschaft bei den »Hammerskin« belegen, sind doch ein paar entsprechende Fotos aus den letzten Jahren aufgetaucht. Ein Foto zeigt ihn beispielsweise bei einer Aktion von »Hammerskin« 2015 in Italien: Jedes Jahr marschieren dort am 25. April in Reih und Glied glatzköpfige Neonazi in schwarzen Bomberjacken auf einem Friedhof in Mailand auf. Viele tragen die gekreuzten Hämmer, das Symbol der »Hammerskins«. Sie „ehren“ an diesem Tag, die „Gefallenen“ der »Republik von Salo«. Dieser von Benito Mussolini geführten Satellitenstaat wurde von 1943 bis 45 auf den der Wehrmacht besetzten Gebiet im Norden Italiens errichtet. Im Rest Italiens war das faschistische Regime da bereits zusammengebrochen.

„Was will ma erwarten von kanacken“

Ein Türsteher der Migrant*innen als „Kanacken“ beschimpft.

Erstaunlich offen zeigt Kiebitz dagegen seine Gesinnung auf seinem Facebook-Profil: Unter einem seiner Posts kommentiert er z.B.: „Was will man erwarten von kanacken. Aber wir haben ja kein Ausländerproblem„. Einer seiner Freunde bemerkt dazu: „Es sind aber auch nicht alle so …“ Darauf antwortet Kiebitz: „Muhaha ich kenne kein einzigen !!!„.

Regelmäßig postet er dort Werbung für neonazistische Konzerte und Veranstaltungen. So z.B. für ein gemeinsames Konzert von »Blood & Honour« und den »Hammerskins« unter dem Motto „Europe awake“, dass für den 19.11.2016 in „North Italy“ angekündigt war, aber auch für den ersten „Montagsspaziergang“ von . Es finden sich dort von ihm gepostete Links zu einem Video des Nazirappers »Makss Damage«, zu einen Artikel über die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck und einem Artikel in dem der Holocaust, die Vernichtung der europäischen Juden und Jüdinnen durch die Nazis, als „schwärzeste Lüge der Geschichte“ bezeichnet wird. Auch Bezüge zur »Reichsbürgerbewegung« finden sich dort. Zum 100. Geburtstag des inzwischen verstobenen SS-Führer Erich Priebke teilte er ein Bild mit Glückwünschen für den verurteilten Kriegsverbrecher, der in Italien an der Erschießung von hunderten Zivilist*innen, darunter auch Jugendliche, beteiligt war.

Kiebitz zusammen mit dem Trainer von »Luta Livre Braunschweig«: Auf seinem Cap steht „HFFH“. Ein Code für das Motto „Hammerskins forever – Forever Hammerskins“.

Ein besonderes Faible zeigt Kiebitz für die Kampfsportveranstaltungen „Ring der Nibelungen“, bei der Neonazis z.B. in „Mixed Martial Arts“ (MMA) gegeneinander antreten. Kiebitz selbst trainiert diverse Kampfsportarten, unter anderem bei »Luta Livre Braunschweig«. 

Neben den Beiträgen mit neonazistischen Inhalten postet Dennis Kiebitz immer wieder Links zu Veranstaltungen in den Discos und Clubs seiner Arbeitgeber. Und für seine zahlreichen Facebook-Freunden aus der neonazistischen Szene und den »Hammerskins« hat er dort auch eine Stellenanzeige der „Eulenglück“, die neue Mitarbeiter*innen sucht, geteilt.

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