Collage Screenshot Homepage »Kollektiv Nordharz«

Braune Umstrukturierung: »Kollektiv Nordharz« löst sich zu Gunsten der Partei »Die Rechte« auf

Kurz und knapp war die Ankündigung, die Ende letzter Woche auf der Homepage der neonazistischen Gruppierung »Kollektiv Nordharz« erschien: “Hiermit geben wir, das Kollektiv Nordharz, unsere Auflösung bekannt. Diese Seite wird in den nächsten Tagen abgeschaltet.

Zwar kursierten in den letzten Wochen immer wieder Gerüchte über internen Streitereien zwischen den Aktivisten der Neonazi-Kameradschaft, die seit dem Frühjahr 2017 im Landkreis Goslar aktiv ist, die plötzliche Bekanntgabe ihrer kompletten Auflösung verwunderte dann allerdings doch. Insbesondere weil das »Kollektiv Nordharz« in diesem Jahr Ausrichter des alljährlichen Naziaufmarsch »Tag der deutschen Zukunft» () ist, der am 2. Juni in Goslar stattfinden soll.

Das »Kollektiv Nordharz« tauchte das erste Mal im Frühjahr 2017 in der Region Goslar auf und orientierte sich  laut dem Blog HARZINFO am „neofaschistischen Netzwerk ‚Antikapitalistisches Kollektiv‘ (AKK), zu dem eine Handvoll Kameradschaften aus Hessen, Thüringen und Berlin gehören. Dies äußert sich neben der Selbstbezeichnung durch das Auftreten im Stil der ‚Autonomen Nationalisten‘, der ans AKK angelehnten Mediengestaltung und der Selbstinszenierung als scheinbar ‚antikapitalistisch‘. Bei den ‚Autonomen Nationalisten‘ handelt es sich um Neonazikameradschaften, die sich modern geben und die Aktionsform Schwarzer Block und Teile des Erscheinungsbilds von linksradikalen Autonomen kopieren.

Taktische Umstrukturierung

Von Links: , , , . Foto: Screenshot Homepage »Die Rechte«.

Dass es  bei der Auflösung nicht um die Einstellung der Aktivitäten der Gruppierung geht, sondern vor allem um eine taktisch-organisatorische Umstrukturierung, wurde spätestens klar, als die neonazistische Kleinstpartei »Die Rechte« am Wochenende bekannt gab, dass sich am Samstag in Bad Harzburg ein „Großkreisverbandes Süd-Ost Niedersachsen“ der Partei gegründet habe: Auf einem Foto von der Gründungsversammlung sind neben dem niedersächsischen Landesvorsitzenden Holger Niemann unter anderem Ulf Ringleb und Joost Nolte zu sehen, die beide bisher zu den Aktivisten des »Kollektiv Nordharz« gehörten.

Grund für die Auflösung des »Kollektiv Nordharz« und den Übergang zur Partei »Die Rechte« dürfte vor allem die Angst vor einem möglichen Verbot der Gruppierung gewesen sein. Unter dem Schutz des Parteiengesetz sind die Hürden für ein Verbot deutlich höher als bei einer freien Struktur, die über das Vereinsgesetz verboten werden kann.

Aufschwung für »Die Rechte«?

Der neugegründete „Großkreisverband“ der Partei »Die Rechte« soll künftig die Landkreise Gifhorn, Wolfsburg, Peine, Braunschweig, Helmstedt, Salzgitter, Wolfenbüttel, Goslar, Osterode am Harz, Göttingen, Northeim und Holzminden umfassen. Darüber hinaus verfügt die Partei, die ihren Schwerpunkt in NRW hat und deren Gründer, Christian Worch, kürzlich im Streit aus dem Vorstand der Partei zurückgetreten ist, in Niedersachsen nur über zwei weitere Kreisverbände: Hildesheim und Verden. Der 2013 gegründete und mitgliederstärkste “Kreisverband Braunschweiger Land” zerfiel 2015, nachdem zuerst die Frau des Kreisvorssitzenden mit dem Vorwurf der Veruntreuung von Mitgliedsbeiträgen aus der Partei geworfen wurde und dann ihr Mann öffentlich seinen Ausstieg aus der rechten Szene erklärte. Und auch vom 2014 gegründeten Hildesheimer Kreisverband gingen nach anfänglichem Aktivismus keine Impulse mehr aus, nachdem 2015 der Kreisvorsitzende nach internen Querelen und Streit austrat und führende Aktivisten zu den »Junge Nationaldemokraten« wechselten. Und auch im Kreisverband Verden gab es zuletzt nur noch vereinzelte Aktivitäten.

Ob die Neugründung des “Großkreisverbandes” über die bisherigen Aktivisten des »Kollektiv Nordharz« und ihres Umfeldes hinaus zu einem Zulauf von neuen Mitgliedern für die Partei führen wird, ist allerdings fraglich. Klar ist aber, dass auch unter dem Label »Die Rechte» der TDDZ in Goslar weiter vorbereitet und beworben wird. Über ihre Facebook-Seite (die allerdings bereits nach wenigen Stunden wieder gesperrt wurde) mobilisierte die »Die Rechte Süd-Ost Niedersachsen« dann auch gleich zu einer Infoveranstaltung  für den TDDZ, die am 3. Februar an einem geheim gehaltenen Ort in Sachsen-Anhalt stattfinden soll. Neben einer Rede des Hildesheimer Neonazi , der dort über “10 Jahre TDDZ” sprechen will, sind auch der Liedermacher «Fylgien«, »MIC Revolt« und die Band  »F.I.E.L – Fremd im eigenen Land« als “musikalisches Begleitprogramm” angekündigt.

Weitere Infos zu den Aktivitäten der Neonazi in der Harzregion gibt es unter anderem hier:

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