Sebastian Weigler, Tom Röhrig (2. von rechts) und Kilian Wilkens (ganz rechts) tragen das Transparent der »Jungen Nationalisten«. Dahinter laufen weitere JN-Anhänger aus der Region. Foto: RechercheNetzwerkBerlin

Dresden: „Trauermarsch“ mit gestiegener Beteiligung aus der Region zwischen Harz & Heide

Am vergangenen Samstag zogen rund 1000 Neonazis durch Dresden, um mit einem “Trauermarsch” an den 75. Jahrestag der Bombardierung der Stadt durch die Alliierten zu “gedenken”. Die Beteiligung aus der Region zwischen Harz und Heide war in diesem Jahr mit etwas mehr als einem Dutzend Personen größer als im letzten Jahr als nur vereinzelt Neonazis aus der Region teilnahmen.

Worum es den Neonazis bei der Instrumentalisierung des Gedenken geht, zeigte recht drastisch ein Schild, daß von der ehemaligen PEGIDA-Frontfrau Kathrin Oertel getragen wurde und die Befreiung 1945 durch die Alliierten als “Holocaust am deutschen Volk” bezeichnete: Die Verbrechen des NS-Regimes sollen durch die Betonung alliierter Verbrechen relativiert und verharmlost werden.

Beteiligung an der Ordnerstruktur …

Mit insgesamt etwas mehr als einem Dutzend Personen war die Beteiligung aus der Region nicht nur sichtbar größer als im letzten Jahr, in diesem Jahr waren die Aktivisten der NPD Jugend »Junge Nationalisten« (JN) aus der Region auch direkt als Ordner in die Organisation des Aufmarsches eingebunden. Ein Video des Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V. zeigt, wie die Ordner einen Fotografen angehen, beschimpfen und gewaltsam abdrängen. Dort ist zu sehen, dass da auch Micha Müller von der »JN Braunschweig« mitmischt. Zum Ordnerdienst gehörte außerdem (Foto) aus dem Landkreis Goslar. Nolte gehörte zum »Kollektiv Nordharz«, ging nach dessen Auflösung kurz in die Partei »Die Rechte« und tritt als Trommler auch bei bundesweiten NPD/JN-Veranstaltungen auf. Aus Goslar war zudem (Foto) angereist, der vor allem auch als Anmelder von NPD/JN-Versammlungen in Erscheinung tritt. Auch das niedersächsische NPD-Urgestein, der Helmstedter Ratsherr , nahm am “Trauermarsch” in Dresden teil.

Ab Minute 1:16 ist zu sehen, wie Ordner einen Fotografen beschimpfen, bedrängen und recht rabiat abdrängen – mit dabei von der »JN Braunschweig«.
Video: Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V.

… und am JN-Block

Das Transparent des Blocks der »Jungen Nationalisten« wurde u.a. von den Braunschweigern und , sowie von , der aus Bornum bei Königslutter stammt, mitgetragen.
Sebastian Weigler ist Landesvorsitzender des am 17.02.2018 gegründeten »JN-Landesverband Nord«, zu dem neben Niedersachsen auch Hamburg, Bremen und angrenzende Regionen gehören. Wilkens, der sich auch schonmal im Shirt der aufgelösten »Kampf- und Sportgemeinschaft Adrenalin Braunschweig« zeigte, war zuletzt an einem Infostand von »Die Rechte« am 20.01.2010 in der Braunschweiger Innenstadt beteilig und lief zusammen mit dem stadtbekannten Neonazi beim neonazistischen “Trauermarsch” am 17.01.2019 in Magdeburg mit (Foto). Zuvor beteiligte er sich z.B. an einer Demonstration der NPD/JN am 23.11.2019 in Hannover, die sich gegen namentlich genannte Journalist*innen richtete. Neben den bisher Genannten liefen auch die JN-Aktivisten und im Block mit.

Ein Anti-Antifa Spitzel?

Tom Röhrig trat bisher kaum bei öffentlichen Aktivitäten der JN in Erscheinung. 2014 besuchte Tom Röhrig, der damals gerade eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger im AWO-Psychatriezentrum in Königslutter absolvierte, ein paar Mal offene Antifa-Treffen in Braunschweig und beteiligte sich hier eine kurze Zeit an antifaschistischen Aktivitäten und Demonstrationen. Aufgrund seines Verhaltens kam allerdings schnell der Verdacht auf, dass es sich bei ihm um einen Spitzel der Polizei, des Verfassungsschutz oder der Neonaziszene handeln könne. Bevor diesem Verdacht nachgegangen wurde, tauchte er allerdings nicht mehr auf.

Micha Müller, Tom Röhrig und Sebastian Weigler (von links nach rechts mit Kreis markiert) beim “JN-Gemeinschaftstag Mitte” für Anwärter und Mitglieder am 10./11.08.2019.
Foto: Screenshot von www.junge-nationalisten.de

»Die Rechte« als Restposten

Während der größte Teil der Neonazis aus der Region entweder in die Ordnerstruktur eingebunden war oder hinter dem Transparent der »Jungen Nationalisten« lief, reihten sich Pierre Bauer (Foto) aus Braunschweig, Johannes Welge (Foto) und Achim Heide (Foto) – beide aus dem Landkreis Hildesheim – in den Block der Partei »Die Rechte« ein. Welge ist, nach dem er 2015 mehr oder weniger freiwillig als Kreisvorsitzender des Kreisverbandes Hildesheim zurücktrat (siehe: Weggang oder Rauswurf? Johannes Welge verläßt »Die Rechte«), wieder Kreisvorsitzender des im Juli letzten Jahres neugegründeten “Kreisverbandes Braunschweig-Hildesheim” von »Die Rechte«. Auch Pierre Bauer, der in der Vergangenheit immer wieder an NPD/JN-Aktivitäten teilgenommen hat und zuletzt als Teil der »Kampf- und Sportgemeinschaft Adrenalin Braunschweig« in Erscheinung trat, scheint sich nun der Partei »Die Rechte« anzuschließen. So beteiligte er sich in den letzten Wochen an drei Infoständen der Partei in der Braunschweiger Innenstadt. In einem Video wird er von Johannes Welge allerdings als “Freie Kraft” und nicht nicht als Parteimitglied vorgestellt. Mit dem Versuch der Wiederbelebung der seit längerem brachliegenden Strukturen der Partei »Die Rechte» gibt es neben der JN, an der sich der Großteil der aktivistischen Neonazis aus der Region inzwischen orientiert, nun auch wieder ein Angebot für diejenigen Neonazis, die den elitären Ansprüchen der JN als Kaderorganisation nicht genügen wollen oder können.

Infostand von »Die Rechte« am 20.01.2020. Von links: Lars Meyer, Kilian Wilkens, Pierre Bauer, Johannes Welge, Achim Heide und Joel Bennedict Plichta. Foto: Screenshot aus einem Werbevideo von »Die Rechte« bei www.youtube.com

Von Wolfsburg zum »III.Weg«

Während der größte Teil der Aktivisten aus der Region in Dresden mitliefen, nahm (hier im Foto in der Mitte mit schwarzer Jacke und Brille) aus Wolfsburg am gleichen Tag an einem Aufmarsch des »III. Weg« im bayrischen Bamberg teil. Bartels gehört unter anderem zu den »Berserkern Dvision Wolfsburg« um Achim Buonafede und war zuletzt an “Streifengängen” der von der NPD initiierten “Schutzzone” in Wolfsburg (BZ: NPD soll hinter Bürgerwehr in Wolfsburg stecken) und Braunschweig (news38: Weihnachtsmarkt Braunschweig: „Schutzzone“ patrouilliert, Bürger rasten aus – „Ich kotz im Strahl!“) beteiligt.

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